Dieter Schrage, Wien
Warum Graffiti schwerlich eine Sachbeschädigungsein können
Denken wir an das Menetekel an den Wänden des biblischen Babylons,so haben Graffiti eine sehr lange Geschichte. Heute sind Graffiti einKulturphänomen, das wahrscheinlich in allen fünf Kontinenten dieserErde verbreitet ist. So sah ich diese an den Wänden von Peking ebensowie auf Kuba. Die formale Breite der Wandbilder und Wandinschriftenkönnen wir feststellen, wenn wir nach Graffiti Ausschau haltend durchdie Städte gehen. In Wien z.B. entdecken wir am Donaukanal oder ander Westbahn die großen farbenprächtigen„ Pieces" und auf den Gewi-sta- Werbeflächen über den Plakaten der„ F"-Partei den schnellenSchriftzug ,, Nazi“.
Die Wiener Szene der„ American Graffiti"
Im Rahmen dieses Beitrages beschränke ich mich ganz auf die sog.,, American Graffiti"( die nach den New Yorker Subway- Malereien ent-standen sind), um einerseits einiges zur spannungsreichen öffentlichenRezeption der Graffiti in Wien sagen und andererseits einige Anmer-kungen zum Diskurs über den Begriff„ Volkskunst heute" machen zukönnen.
Zunächst zur Wiener Szene:„ Daß man mich jemals einladen würde,legal und hochoffiziell eine Straßenbahn zu bemalen, hätte ich mir vordrei oder vier Jahren nicht träumen lassen“. So äußerte sich„ DeltaTwo", ein junger New Yorker Subway- Sprayer, der an einem Juni-Wochenende 1984 in der Erdberger Remise vor den Augen zahlreicherVerkehrsbetriebe- Bediensteten einen J- Wagen besprayte.'
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Siehe den Bericht im Wiener, 7/84.