Hermann Steininger, Perchtoldsdorf
Volkskunst in Niederösterreich
Von den ,, schönen Dingen",
ihrer Funktion, dem Wertewandel und neuer Ästhetik
„ Volkskunst“ ist ein merkwürdiges Wort, es erschien längere Zeit nichtsonderlich modern, sich damit zu beschäftigen. Freilich, es vermitteltsubstantiell Inhalte an sich, die mehr oder weniger interessant erschei-nen. Wenn man den Begriff hinterfragt, weiß keiner so genau, was esdamit auf sich hat. Da helfen kaum Definitionen; Erklärungsversuchesind da besser dran, sie bleiben Versuche, die ganzheitliche Erklärungennicht oder kaum erwarten lassen.
Mein Beitrag möchte Volkskunstthemen und-objekten, ästhetischenKriterien in Ostösterreich nachspüren und speziell anhand von nieder-österreichischen Beispielen aufzeigen, welche Fundbelege vor Ort mitder Begrifflichkeit ,, Volkskunst" in Berührung kamen, seit wann und wielange dies schwerpunktmäßig der Fall war usw. Wenn ich von Fund-belegen spreche, stellt sich auch die Frage nach den„ Befunden“, derDokumentation und Interpretation von Objekten durch die Forschung,ihrer Aufarbeitung und Eingliederung in verschiedene Fachbereiche.Erfreulicherweise kann ich hier bezüglich meines regionalen Themasschon auf einige umfassende österreichische Vorarbeiten aus den letztenJahren zurückgreifen, infolgedessen ich mich etwas kürzer fassen kann.Es sind dies zunächst ein Aufsatz von Franz Grieshofer mit dem Titel,, Erforschung und Bewertung von Volkskunst in Österreich“, eine um-fassende wissenschaftshistorische und begriffliche Abhandlung aus demJahr 1992', und ein diesen ergänzender Bericht von Olaf Bockhorn mit
1 Franz Grieshofer: Erforschung und Bewertung von Volkskunst in Österreich. In: Jahrbuch fürVolkskunde 15, 1992, S. 81-104.