Druckschrift 
Volkskunst : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1995 in Wien
Entstehung
Seite
261
Einzelbild herunterladen
 

Bernhard Tschofen, Wien

Volkskunst, Krieg und Gedächtnis

'

Anmerkungen zu einem diskursiven Miẞverständnisoder: Afghanische' Kriegsteppiche und ihre europäischeGeschichte der Volkskunst- Werdung

,, The idea that an authentic carpet is essentially onein which the weaver was living her symbols in herweaving will not stand the test of either historical orcultural analysis".

Die Bilder, die am Beginn meines Beitrages stehen, zeigen Teppiche:Teppiche aus Afghanistan, Teppiche der achtziger Jahre, die so gar nichtder Belouch- Tradition entsprechen wollen und die sich vor einigen Jah-ren mehr zufällig auf den mitteleuropäischen Orient Glossar ::: zum Glossareintrag  Orient- Teppich- Marktverirrt haben. Es sind besondere Teppiche; sie haben den Namen" Kriegsteppiche' erhalten, weniger, weil sie in den Jahren des Afghani-stankrieges entstanden sind, sondern weil sie- wie zu sehen ist- Motivezeigen, die einmal mehr direkt, einmal mehr indirekt auf den Krieganspielen.

Wenn einer weder Afghanologe noch Spezialist für Orient Glossar ::: zum Glossareintrag  Orient- Teppiche istund beim Thema Volkskunst mit Bildern von afghanischen Teppichen zuargumentieren beginnt, dann besteht mit Sicherheit ein gewisserErklärungsbedarf. Freilich, ich habe mir dieses Thema nicht gewählt,weil ich über Teppichkunst reden möchte( dazu fühle ich mich auchüberhaupt nicht in der Lage), sondern weil ich an einem Beispiel, daseinem bei erster Beschau als Volkskunst geradezu ins Auge springt,

Brian Spooner: Weavers and dealers: the authenticity of an oriental Glossar ::: zum Glossareintrag  oriental carpet. In: ArjunAppadurai( ed.): The social life of things. Commodities in cultural perspective. Cambridge21988, S. 195-235, s. S. 221.