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Volkskunst : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1995 in Wien
Entstehung
Seite
39
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Konrad Köstlin, Wien

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Volkskünste"

Ästhetische Programmatik

in Lebensentwürfen der zwanziger Jahre

Volkskunst und personale Identität könnte der Titel meines Texteslauten in Analogie und zugleich in Abgrenzung zu Bernward DenekesÜberlegungen zum Zusammenhang von Volkskunst und nationalerIdentität in diesem Band. Ich hätte mit diesem Titel zwar kurz gegriffen,aber dafür- holzschnittartig verkürzt- eine bemerkenswerte Akzentver-lagerung von der nationalen Identität zur Harmonie der Idee einer indivi-duellen Identität in den 20er Jahren deutlich gemacht, um die es hiergehen soll.

Nach dem verlorenen Krieg und dem Scheitern des imperialen Gestusschien in Österreich wie in Deutschland ja nicht nur der Rückzug aufstammliche Bescheidenheit angesagt. Die Kultivierung von Person undIdentität standen im Vordergrund. Das zurückgestutzte Großmacht-Vaterland wurde ausdrücklicher zur kleinräumlichen Heimat und damitnicht mehr nur national gedacht. Heimat wurde auf die Person bezogenzum ,, geistigen Wurzelgefühl, das sich freilich, wie die Geschichtezeigen sollte, kämpferisch aktivieren ließ. Eduard Sprangers Vom Bil-dungswert der Heimatkunde, ein Text aus dem Jahre 1923 und alsReclam- Bändchen bis in die 60er Jahre immer wieder aufgelegt, gipfeltepädagogisch in dem Ausruf ,, Weh dem, der nirgends wurzelt!'

,, Volkskunst" wurde weiter gedacht und gefaßt als um die Jahrhun-dertwende. Sie war nicht mehr nur an der Ökonomie von Hausfleiß undHausindustrie orientiert, umfaßte also nicht mehr nur die volkskundlich-ästhetisch verklärte Heimarbeit, war auch nicht mehr ausdrücklich natio-nal. Sie wurde darüber hinaus zum einen kleinräumiger, regional-stammlich, zum andern aber, und das vor allem, transnational allgemein

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Eduard Spranger: Vom Bildungswert der Heimatkunde. Stuttgart 1953( 1923).