Bärbel Kleindorfer- Marx, Cham
Funktionalisierte Volkskunst
Serienproduktion von Bauernmöbeln 1935-1945
In den dreißiger Jahren produzierte die Möbelfabrik Schoyerer in derStadt Cham im Bayerischen Wald handbemalte„ Bauernstuben“ undSchlafzimmereinrichtungen, deren Dekore und Motive scheinbar demVorbild alter Volkskunst nachempfunden waren. Diese„ Bauernmöbel"waren auf dem Markt sehr erfolgreich, sie wurden bald in Serie herge-stellt. Die ,, Ostmark- Propaganda“ der Nationalsozialisten zur Förderungder Erzeugnisse aus der„ Bayerischen Ostmark", zu der der BayerischeWald gehörte, rückte die Bauernmöbel als regionaltypische Produkte insBlickfeld. Ein Interpretationszusammenhang, der vermeintlich boden-ständige Kunst- und Handwerksprodukte mit neuen„ völkischen“ Bedeu-tungsinhalten versah, ging gerade an Bauernmöbeln nicht vorüber.Bemalte Einrichtungen wurden als„ Möbel deutscher Wohnart" von,, zeitlosem Wert" interpretiert. Im folgenden wird am Beispiel der Ver-marktung der Bauernmöbel im Rahmen der„ Osthilfe“, die als vermeint-liche Gewerbeförderung den ideologischen„ Volkstumskampf an derdeutschen Reichsgrenze unterstützen sollte, die Instrumentalisierung der, Volkskunst“ durch die nationalsozialistische Propaganda aufgezeigt.
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Seit der Jahrhundertwende hatte die Möbelfabrik Schoyerer nebenMöbeln im Stil des Historismus auch bemalte„ Bauernmöbel" herge-stellt. Zu den Architekten, die für Schoyerer Möbel entwarfen, gehörteauch der Münchner Franz Zell( 1866- 1961), Volkskundlern als Mitbe-gründer des„, Münchner Vereins für Volkskunst und Volkskunde“bekannt. Die Möbelentwürfe Franz Zells im sogenannten„ Bauernstil"
' Die Möbelentwürfe Zells aus der Zeit um die Jahrhundertwende sind beschrieben bei BärbelKleindorfer- Marx: Mechanismen der Produktion und Rezeption von„ Volkskunst“. EntwürfeFranz Zells für die Möbelfabrik Schoyerer. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde 98( 1995), S. 139-157.