Die Kunst, das Volk und seine Kultur
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wäre, ergebe doch das Ganze ein eindrucksvolles Bild. Moderne Natio-nalstaaten hingegen sah Gellner wegen ihrer klar und glatt voneinandergetrennten Farbflächen ohne Mehrdeutigkeiten in Werken von AmadeoModigliani repräsentiert. Letzterer Stil ist längst zur gewohntenSchullandkarte abgesunken. Und wo heute ethnische Buntheit mitGewalt zerstört wird, bedarf es derselben Sprachregelung: Denn,, ethnische Säuberungen“ bedeuten in diesem Metaphernhaushalt nichtsanderes, als„, Flecken“ zu entfernen und das„ Bild“ farblich zu verein-heitlichen. Daß solche Vereinheitlichungen in einem langen Prozeß auchOst- und Südosteuropa überrollt und ethnographisch„ bunte Karten“zerstört haben, wird mit Recht bedauert. Doch vielleicht gehört auchdieses Bild zu den bereits skizzierten Stereotypen, die diesen Regionenbeigefügt wurden.
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5. Das Slawen- Stereotyp
Die Salzburger Festspiele zeigten 1992 Stanislaw Wyspianskis pol-nisches Nationalepos„ Die Hochzeit“. Die Aufführung von AndrzejWajda, dem„ polnischten aller polnischen Regisseure“ inszeniert- fandbei Publikum und Kritik allerdings nur wenig Begeisterung. DennWajdas Aufführung verstärkte, was hierorts wenig gebräuchlich ist:Stadt- und Landvolk trafen sich im Stück in einem polnischen Dorf, eine,, bunte Trachtengruppe“ gab auf der Bühne viel„ polnischen Volkstanz“die dramatisierte polnische Nationalmythologie war derart zu über-laden und zu bäuerlich, sie wirkte mit anderen Worten eindeutig zu,, folkloristisch". Erst Peter Steins Neuinszenierung 1993 mit demneuen Titel„ Wesele“ zeigte sich von„ folkloristisch dampfenderSchwere" befreit und mutete die hiesige Theaterkritik damit auch,, flinker, komischer, westlicher" an. Die angesprochene Ent- Folklori-sierung, die dem Stück nur gutgetan habe, läßt sich zumindest aus-stattungsmäßig auf wenige Bausteine reduzieren. Stein nahm der Insze-nierung die Farben, er reduzierte das Übermaß an Folklore, er kürzte dieschwer verständliche Mythologie zusammen, kurz: er verwestlichte, wassich als unzeitgemäß und als zu östlich gab. Damit sind Langzeitstereo-
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Ernest Gellner: Nationalismus und Moderne. Berlin 1991, S. 202 f.
Der Standard, 29. 7. 1992.
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61 Die Presse, 23. 8. 1993; Salzburger Nachrichten, 23. 8. 1993.