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Volkskunst : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1995 in Wien
Entstehung
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Regina Bendix

wurden von seiner Frau Jane besorgt. Jede nicht überschattete Boden-fläche wurde genützt, inklusive eines mit verschiedenen Weinrebenüberwachsenen Sitzplatzes, und unter den Bäumen breitete sich ein wei-cher Rasenteppich aus. auch dieser Aspekt wurde nicht vernachläßigt.Dieses alte Ehepaar hatte die Selbstversorgung in der Großstadt annä-hernd geschafft, und die Arbeit im Garten ging nahtlos über in die Ver-arbeitung der Produkte im Hausinnern und in die Ästhetik von präziseangeordneten Gläsern mit Eingemachtem und Reihen von Flaschen mitBier und Beerenwein. Für städtische Spaziergänger war Norman undJanes Garten eine ästhetische Besonderheit inmitten von Gärten vollerZierbüsche und Magnolien. Das gleiche galt für die Gemüsegärten derchinesischen Großmütter an unserer Straße. Diese Frauen, die auch nachzwanzig Jahren Aufenthalt in den USA noch kein Englisch sprachen,hatten einen Teil der Grünfläche hinter ihren Häusern in riesigeGemüsebeete verwandelt, von welchen sie schon im März das erste Sup-pengrün ernteten und im Sommer Monsterzucchini pflückten. Für einedieser Frauen, die ich von meinem Studierzimmer aus beobachtenkonnte, schien ihr Garten einerseits eine Fortsetzung agrarischer Tätig-keit in Taiwan zu sein- sie setzte sich einen Reishut auf und arbeitete inden frühen Morgenstunden und in der Dämmerung auf diesem Feld;andererseits erlaubte sie sich auch ästhetischen Genuß, verbrachte siedoch oft den Tag damit, von ihrer Veranda mit sichtlicher Genugtuungdem Gemüse beim Wachsen zuzusehen.

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Eingefügt in die großstädtische Landschaft, wird der erfolggekrönteGemüsegarten ebenso zum Schaustück wie die zweite Gartenkunstspartedie Blumengärten, die sich in Reichtum, Vielfalt, und Anordung vonden Blumenbeeten oder Rosenstöcken der Nachbarschaft abheben. Diedritte Gruppe schließlich sind jene Gärten, die mittels nicht- organischerObjekte gestaltet werden.

Überall in den USA findet sich ein gewisses Maß an Ornamentierungvon Außenräumen im Einklang mit den Festen des Jahreslaufes. SantaClaus und Rentiere, im Rasen oder auf dem Dach festgemacht, und Gir-landen farbiger Glühbirnen um Gebüsch und Bäume gewickelt gibt eswohl schon seit Jahrzehnten. In den fünfzehn Jahren, die ich jetzt schonin den USA lebe, haben sich aber ständig weitere Objekte passend zudiversen Feiertagen dazugesellt. Valentinstag- Herzen, Plastikosterhasenund an Bäumen angebundene Plastikeier, und für Halloween, das ameri-