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Bärbel Kleindorfer- Marx
Ab Mitte des Jahres 1935 stieg der Absatz von Bauernmöbeln enorman. Hatte Schoyerer 1903 in einem Brief an einen Kunden betont, daßBauernstuben nur individuell nach Maß gefertigt würden, so gingenBauernmöbel jetzt in Serie und wurden in Verkaufskatalogen- kleinenAlben, in die Originalphotographien eingeklebt wurden- angeboten. DieSchlafzimmer und Bauernstuben wurden als komplette Ausstattungen anEinrichtungshäuser, kunstgewerbliche Werkstätten und Kaufhäuser wieKarstadt und Möbelhändler in ganz Deutschland verkauft. Über dieAusfuhrstelle des Deutschen Handwerks in Berlin ging z.B. ein,, Bauernwohnzimmer" an das Kaufhaus Harrods in London. Überwie-gend besser gestellte Haushalte richteten sich in diesem Bauernstil ein,obwohl die Möbel als preisgünstig ausgeschrieben waren.
Mitte der dreißiger Jahre wurden die Bauernmöbel als vermeintlichtypische Erzeugnisse der„ Bayerischen Ostmark", wie die östlichenBereiche der Regierungsbezirke Oberpfalz, Niederbayern und Oberfran-ken seit den zwanziger Jahren bezeichnet wurden, in die Palette derWaren aufgenommen, durch deren Verkauf die Wirtschaftskraft derRegion gestärkt werden sollte. Nach dem I. Weltkrieg war Ostbayern mitder Gründung der Tschechoslowakischen Republik im November 1918Grenzgebiet zu einem neuen Nationalstaat geworden. Hatten zuvor engeWirtschaftsbeziehungen zu Böhmen bestanden, so verschlechterte sichdurch geänderte Zoll- und Grenzbestimmungen die wirtschaftliche Lagerapide. Absatzmärkte und die gerade für die Holzindustrie wichtigenRohstoffimporte gingen verloren. Hohe Zölle verhinderten die Ausfuhrbayerischer Fertigwaren. Allgemeine Preissteigerungen und die Inflationtaten ein übriges. Handwerk und Industrie litten unter der schlechtenInfrastruktur und den Transportkosten, unter Kapitalarmut und demwachsenden Druck ausländischer Konkurrenz. Konkurse und Massen-arbeitslosigkeit waren die Folge. Bald sprach man von der Grenzregionals„ Notstandsgebiet“. Verschiedene Denkschriften machten auf dieNotlage aufmerksam und beschrieben die hohe Kindersterblichkeit, dieschlechte Versorgungslage und die Wohnungsnot, die Bayerische
Rudolf Jaworski: Grenzlage, Rückständigkeit und nationale Agitation: Die„, Bayerische Ost-mark“ in der Weimarer Republik. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 41( 1978), S.241-270.
8 Ständiger Ausschuß des Kreistages Niederbayern( Hg.): Der Bayerische Wald. Grenzland inNot! Denkschrift über die Aufgaben zu seiner kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Hebung,Passau 1928.