Druckschrift 
Volkskunst : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1995 in Wien
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

112

Bernhard Purin

18

19

in deren Mittelpunkt neben einer rituellen Küche ebenfalls eine Schab-batstube stand, die durch eine lebensgroße Puppe belebt war. Kronerwollte allerdings nicht ohne weiteres eine Kopie von Dresden" schaffenund lehnte deshalb sein Ensemble an die Gemälde Moritz Oppenheimsan. Auch nach dem Ersten Weltkrieg blieb die Gute Stube unver-zichtbarer Bestandteil von Ausstellungen: Im jüdischen Pavillion auf derGESOLEI, einer Hygieneausstellung, die 1926 in Düsseldorf stattfand,arrangierte Berta Eschelbacher, die Gattin des Düsseldorfer Rabbiners,eine Schabbatstube ebenfalls nach dem Vorbild eines Gemäldes vonOppenheim. Auch in dem 1922 in Frankfurt gegründeten Museumjüdischer Altertümer" wurde ein Wohnraum eingerichtet, der sich anOppenheims Interieurs orientierte. 20 Daß bei der Gestaltung vonAusstellungsensembles auf Oppenheim'sche Schabbatszenen zurück-gegriffen wurde, liegt sicher nicht nur an dessen Popularität in Deutsch-land. Seine bürgerlichen Interieurs entsprachen mehr der Vorstellungeines emanzipierten, aufgeklärten Judentums, als es die einem osteuro-päischen Milieu entnommenen, einfachen, oft auch ärmlichen Darstel-lungen in Kaufmanns Bildern taten. In Österreich hingegen finden sicheine Reihe weiterer Beispiele von Museums- und Ausstellungsesembles,die sich an dem von Kaufmann eingeführten Bild der ostjüdischenStuben orientierten.²

21

18

Vgl. dazu( mit zwei Abb.) Theodor Kroner: Die jüdische Abteilung auf der StuttgarterAusstellung für Gesundheitspflege. In: Ost und West, 14. Jg.( 1914), Sp. 569-572.

19 Falk Wiesemann:, Hygiene der Juden" auf der Düsseldorfer Gesolei 1926. In: Geschichte imWesten. Halbjahres- Zeitschrift für Landes- und Zeitgeschichte, 8. Jg., H. 1( 1993), S. 24-37, hierS. 32. Eine Abb. der Stube in: Jüdisches Lexikon, Bd. IV/ 2, Berlin 1930, Sp. 23.

20 Vgl. dazu die Abb. in Felicitas Heimann- Jelinek, Anne- Margret Kießl: Zur Geschichte desMuseums jüdischer Altertümer in Frankfurt am Main 1922-1938. In: Felicitas Heimann- Jelinek( Red.): Was übrig blieb. Das Museum jüdischer Altertümer in Frankfurt 1922-1938. Frank-furt/ M. 1988, S. 13-38, hier S. 20.

21 Bernhard Purin: Isidor Kaufmanns kleine Welt( wie Anm. 1), S. 136 f.