Volkskunst und nationale Identität 1870-1914
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aufgenommen wurde, ein überreiches Studienmaterial für die Entwick-lung eines eigentümlichen ungarischen Stils bot. Wir erfahren von einemgroßen Fundus an rein ungarischen autarken Motiven( deren Existenzvon anderer Seite längst bestritten worden war), von dem Bemühen derKunsthandwerker, diesen Vorrat modernen ästhetischen Anschauungenanzupassen, von Übertragungen des bei einzelnen Sachgruppen alscharakteristisch Erkannten auf Werkstücke aus anderen Materialien undaus der Feder der Kenner auch von den ethnischen Problemen, die dabeiüberspielt wurden.'
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Skeptiker notierten kritisch, ob denn dieser als national bestimmteBestand in seiner ganzen Eintönigkeit und seiner unverkennbaren Einfaltwohl ausreichend sei, über den flüchtigen Reiz des Unkonventionellenhinaus auf Dauer das Interesse der Verbraucher zu fesseln. Letztendlichging es damit um die Frage, ob die Formen und Muster dieser,, nationalen“ Produktion dem Grad und der Mannigfaltigkeit an künst-lerischer Kultur entsprachen, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahr-hunderts entwickelt hatten.
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Unter den Inauguratoren der Kunstgewerbebewegung des letztenDrittels des 19. Jahrhunderts erkannte Rudolf Eitelberger von Edelberg,Gründer und erster Direktor des Museums für Kunst und Industrie inWien, frühzeitig, daß mit manchen der erwähnten Unternehmungen dieBestrebungen der Gewerbeförderung, wie sie in seinem Hause intensivvorangetrieben wurden, eine Entwicklung genommen hatten, die sie weitvon den ursprünglichen Ansätzen wegführte. Es ging nur noch sekundärum künstlerische und kulturelle Aspekte der Hausindustrie, vielmehrerblickten zufolge seiner Feststellung die Träger der nationalen Bewe-gung bei einzelnen Völkern, die in Österreich lebten, in ihr ein Mittel,
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Aus einer Vielzahl von Berichten sind aufschlußreich Heinrich Glücksmann: UngarischesKunstgewerbe. In: Allgemeine Kunstchronik, Bd. 9, 1885, S. 521-525; Heinrich Glücksmann:Ungarische Keramik. In: Allgemeine Kunstchronik Bd. 9, 1885, S. 546f.; J. Folnesics: DieKunstindustrie auf der Budapester Landesausstellung 1885. In: Mittheilungen des K.K. Oester-reichischen Museums für Kunst und Industrie Bd. 10, 1.10.1885, S. 493-500. Für die späterenEntwicklungen: Peter Hanák: Der Garten und die Werkstatt. Ein kulturgeschichtlicher VergleichWien und Budapest um 1900(= Kulturstudien, Sonderbd. 13). Wien, Köln, Weimar 1992;M. Lackó: Cultural Revival in Hungary during the first Decade of the 20th Century and the newFolklorism. In: Etudes historiques hingroises 1, 1985, S. 645-657.
55 Aufschlußreich ist Ladislaus Ritter von Loziński: Kunstindustrie. In: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild. Bd. Galizien. Wien 1898, S. 771-796, S. 795, weil hierBefürchtungen über eine langweilige Einseitigkeit, über ein Festhalten des Primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag Primitiven bei Aus-wertungen der nationalen Hausindustrie geäußert werden.