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Volkskunst : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1995 in Wien
Entstehung
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Volkskunst und nationale Identität 1870-1914

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Hausindustrielandschaften der Monarchie, die Kunstpflege in ländlichenBezirken einen gewissen Vorrang. Dabei artikuliert sich unübersehbardie Zielvorstellung einer Anpassung der Produkte an die Gegenwart; esgalt so ist in einer Übersicht über diese Fachschulen Österreichs zulesen durch Hebung der Bildung in ästhetischer und technischerBeziehung(...) die sonst allmählig ersterbende primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive und naiveVolkstätigkeit in eine praktische und rationelle" umzuwandeln.2Zugleich aber bezieht sich auch die erwähnte skandinavische Hausfleiß-bewegung bis hinein in ihre Anleitungsbücher auf das Vorbild ländlicherArtefakte, die angeblich eine lange tradierte, gelegentlich als( dänisch)-national klassifizierte Kunstübung vorstellen, und endlich lehrt einBlick auf die Verhältnisse in Rußland und in den Ländern Südost-europas, daß der von Bücher registrierte nationale Impuls nach Ausdruckin Formungen und Dekorationen suchte. So überschneiden sich Büchersan und für sich einleuchtenden Klassifikationen mannigfach unter demVorzeichen einer Ästhetisierung der Gütererzeugung.

Allgemein vollzog sich die theoretische und praxisbezogene Be-schäftigung mit Fragen der künstlerischen Gestaltung der Gebrauchs-und der Repräsentationsgüter weithin unter Einbindung des historischenWissens in den Kommunikationszusammenhang. Zeugnisse der Archi-tektur, der Skulptur und der gewerblichen Produktion der Vergangenheitwaren während des 19. Jahrhunderts in wechselnden Präferenzengegenwärtig. Stil wurde- zunächst im Rahmen der Architekturtheorie-zu einem der Leitbegriffe der kunstbezogenen Diskurse; er schuf eineOrdnung für die individuellen Exempla aus der gestalteten Umwelt desMenschen. Stil erfährt seine Ausformung durch die Zeit, kennzeichnetaber auch, um aus einen Text des Jahres 1839 zu zitieren, diejenigenEigenschaften der Bauwerke, durch welche uns der Charakter einesVolkes und eines Landes versinnlicht wird; Baustil ist ,, das gemeinsameGepräge aller Gebäude desselben Volkes, desselben Landes und der-

21 Albert Ilg: Die kunstgewerblichen Fachschulen des k.k. Handelsministeriums anläßlich der imOktober 1875 im K.K. Oesterr. Museum für Kunst und Industrie veranstalteten Ausstellungderselben. Wien 1876, S. V.

22 N.C. Rom: Praktische Einführung in die Knaben- Handarbeit für Lehrer und Lernende. Sonder-Ausgabe vom ersten Teile der deutschen Bearbeitung des dänischen Werkes Haandgjerningsbogfor Ungdommen. 5. Aufl. Leipzig 1890, S. 139f.