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Volkskunst : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1995 in Wien
Entstehung
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Bärbel Kleindorfer- Marx

sind als Ergebnis der von der Kunstgewerbebewegung um 1900 gefor-derten Revitalisierung von Volkskunst, die zur Grundlage eines neuenStils werden sollte, anzusehen. Der Fabrikant Schoyerer, der die 1850gegründete kleine Schreinerwerkstatt seines Vaters im Zuge der Indu-strialisierung rasch zu einem modernen Fabrikbetrieb gewandelt hatte,nahm den ,, Bauernstil in das Repertoire der von ihm gefertigten Stil-richtungen auf und lieferte Bauernstuben für die Landhäuser von Bür-gern. Der heute im ehemaligen Zeichenbüro der Möbelfabrik aufbe-wahrte umfangreiche Bestand an Verkaufsbüchern, Möbelentwürfen,Detailzeichnungen und Photographien belegt, wie der, Bauernstil" dieReihe historistischer Formenvielfalt vervollständigte. Neben die Rezep-tion aller historischen Stile trat gleichwertig die Rezeption scheinbarahistorischer Formen der Volkskunst.

Um die Jahrhundertwende zeichnete sich die Schoyerersche Möbel-produktion durch ein breitgefächertes Angebot aus, man bewies Kompe-tenz in allen Stilrichtungen und fertigte sowohl einfache Einzelmöbel alsauch aufwendige Ausstattungen für Villen. Die Bauernmöbel waren eineStilrichtung unter vielen, schon durch ihren verhältnismäßig niedrigenPreis war der Anteil am Gesamtumsatz relativ niedrig. Dieser späthisto-ristische Stilpluralismus war bis zum Beginn des I. Weltkriegs vorherr-schend. In den zwanziger Jahren annoncierte Schoyerer dann polierteSchlafzimmer" aus exotischen Hölzern, die vom Luxusstil Art decobeeinflußt waren. Daneben orientierte man sich aber auch am Stil derAvantgarde, dem Bauhaus. Die starke Farbigkeit der Möbel und eineabstrakte Formensprache, die geometrische Ornamente bevorzugte,lehnten sich an dieses Vorbild an. Obwohl in Cham weitab von denZentren ansässig, befand sich Schoyerer mit seiner Produktion stets ,, aufder Höhe der Zeit. So kann auch der Erfolg seiner Bauernmöbel in dendreißiger Jahren als symptomatisch für die Zeit gesehen werden.

Seit 1910 wurde die Bezeichnung Bauernzimmer" in denGeschäftsbüchern nicht mehr vermerkt., Bäuerliches" hatte auch beiSchoyerer erst wieder Konjunktur, als Mitte der dreißiger Jahre die rhe-torische Aufwertung des Bauerntums durch die Nationalsozialisten, dieihre Wurzeln in der rückwärtsgewandten Heimatschutzbewegung derJahrhundertwende hatte, einen Markt für Bauernmöbel schuf. Dieseerneute Hinwendung zum Bauernstil bedeutete eine dezidierte Absage andie modernen Formen der zwanziger Jahre. Volkskunst gerierte sich als