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Kincsõ Verebélyi
Gegenstandstyp in einer bäuerlichen Umgebung auftaucht, dann besitzter noch lange die Stilmerkmale, die er zur Zeit der Übernahme gehabthat. In der Niederungarischen Tiefebene etwa, in der Umgebung derZentren der Möbelherstellung, die über eine große Tradition verfügen,wie Hódmezővásárhely, Tótkomlós, Békéscsaba, gibt es in den StubenWandspiegel von barockartigem Charakter. Andernorts bewahrte der ausHolz geschnitzte, in einen Rahmen eingespannte, viereckige oder runde,mit Ständer, oft aber auch im unteren Teil mit Schubladen verseheneTischspiegel seinen Biedermeier- Charakter auch, als er bereits auf derDrechselbank hergestellt wurde.
Einstige stilistische Merkmale verändern sich in der bäuerlichenUmgebung, und sind oft kaum mehr zu erkennen. Manchmal bewahrtsich nur in den Gesten, die sich in den Gegenständen selbst offenbaren,etwas von deren ehemaligem Stil. Erlauben Sie mir ein weiteres Bei-spiel: Bis ins zwanzigste Jahrhundert ist es in einigen Gebieten UngarnsSitte geblieben, in kleinen Glasschränkchen des„ Herrgottswinkels"Marienbilder oder kleine Skulpturen aufzustellen. Diese stammenmeistens aus Wallfahrtsorten, vor allem aus Sasvár. Weil sich hinter derAusführung dieser Bilder oder Skulpturen bzw. des Schränkchens undhinter dem dazugehörigen Brauch der Andacht barockes Gedankengutverbirgt, haben für uns diese Gegenstände auch im 20. Jahrhundertbarockartigen Charakter.
Es ist also nicht nur möglich, sondern auch erforderlich, auf demGebiet der Volkskunst nicht nur vom Weiterleben der künstlerischenStilrichtungen zu sprechen, sondern auch diejenigen Gegenstände, die dieStilmerkmale innerhalb der gegebenen Stilepoche tragen, von jenenunterscheiden zu lernen, die in einer späteren Epoche entstanden sind,aber die früheren Stilelemente bewahrt haben. Diesen Unterschied kön-nen wir auch sprachlich verdeutlichen: renaissanceartig, barockartig. DieBlütezeit der ungarischen Volkskunst ist das 19. Jahrhundert. Abhängigvon der Region und von der Gegenstandsgruppe tauchen zu verschie-denen Zeitpunkten bestimmte Gegenstände auf, die sich anhand der fürden Klassizismus bzw. die Biedermeier- Zeit typischen Stilmerkmalenicht mehr beschreiben lassen.
Für diese Erscheinungen, die meist schon mit einem bestimmtenSchöpfer oder einer bestimmten Werkstatt in Verbindung gebracht wer-den können, gebraucht die ungarische Forschung den Terminus des soge-nannten„ bäuerlichen Stils“. Die volkskünstlerischen Erscheinungen