Das Chaos, die Kunst und das Volk!
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bilität der Gegenthese verfolgt“( Welsch 1990, 192). Straßenkunst alsAlarmsystem und als Sonde der Wirklichkeitserforschung belegt dies inmitunter beeindruckender Weise. Daraus resultiert für die Wissenschaftaber jenes, was Clifford Geertz vor einigen Jahren bereits an dieGemeinde der Ethnologen als Forderung richtete:„ Die eigentliche Auf-gabe der deutenden Ethnologie ist es nicht, unsere tiefsten Fragen zubeantworten, sondern uns mit anderen Antworten vertraut zu machen, dieandere Menschen mit anderen Schafen in anderen Tälern- gefundenhaben, und diese Antworten in das jedermann zugängliche Archivmenschlicher Äußerungen aufzunehmen“( Geertz 1983, 43).
So ist auch der Begriff Volk im Diskurs über Kunst nur noch wenigaussagekräftig, da das„ Volk“ eine in vielerlei Milieus und Lebensstilesich ausdifferenzierende Heterogenität darstellt. Insbesondere die ThesenUlrich Becks und Gerhard Schulzes zur Auflösung traditionaler Sozial-beziehungen, zur Individualisierung und zum Erlebnismuster derModerne belegen, daß Rezeption und Aneigungsverhalten sich immermehr subjektivieren und vervielfältigen; lediglich über wechselhafteModen werden neue Vergesellschaftungsmuster etabliert( Beck 1986,Schulze 1992). In der„ patchwork- society" tragen differente Stile zuunterschiedlichen Identitätskonstruktionen bei; Kunst wird zur Kunst desSubjekts, das Formprinzip heißt Bricolage( Beck/ Beck- Gernsheim1994). So entsteht eine Ästhetik des Augenblicks, aus der individuell jespezifische Geschichten wachsen.
Ästhetik ist ein„, Werkzeug", mit dem sich Menschen in ihrem Alltagverschieden einrichten. Dieser Werkzeugcharakter offenbart, daß sichjenseits der Begriffe im Leben das durchsetzt, was als das Andere nachneuen Praxen drängt. Volkskunst lag als ästhetische Praxis des Alltagsschon immer quer zu diesem, sie war schon immer ein Reservoir desAnderen; so wird in der Straßenkunst auch das eigentlich Essentielle vonVolkskunst deutlich: sich besser und schöner einzurichten als vorher undsich darin kreativ gegen Bevormundung zu wehren.