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Ronald Lutz
heit zugunsten einer Majorität und zuungunsten aller anderen beseitigenzu wollen."
Die Buntheit der Welten ist ein Element des Auftauchens an einemanderen Ort: ,, Die Kunst wagt und gewinnt das Chaos", so Heidegger inseinen Nietzsche- Vorlesungen( Heidegger 1961, 668); darin liegt ihreunübersehbare Bedeutung. So aber muß gerade die Kunst von Einheits-obsessionen und universalistischen Ganzheitsbestrebungen Abstandnehmen und auf die Kultivierung und Mobilisierung der Differenzensetzen( Paslack 1989).
Das sogenannt postmoderne Kunstwerk, in dem auch die Vielfalt derStraßenkunst aufgehoben liegt, ist ein solch offenes Ereignis, in demheterogene Stile und Sprachen in einen spannungsreichen Dialog treten.Eine Welt des Zufalls und der gleichzeitig möglichen Welten wirdmobilisiert; sie funktioniert„ als Stimulanz des Lebens, Alarmsystem derGesellschaft und Sonde der Wirklichkeitserforschung"( Bolz 1992, 101).Für den postmodernen Künstler heißt dies, daß er sich sowohl„ trivialer"Bedürfnisse des alltäglichen Gebrauchs als auch eines differenziertenRezeptionsbedarfs des„, raffinierten“ ästhetischen Bewußtseins bedienenmuẞ; er wird zum Doppelagenten des Genusses. Die Grenzen im Kunst-diskurs heben sich darin endgültig auf. Abgrenzungen von Kunst, Volks-kunst oder Straßenkunst erbringen somit nur noch dann Sinn, wenn siesich jenes Vernunftmodells bedienen, das als„, Schule der Vereinheit-lichung" allerdings an sein historisches Ende gekommen ist.
Eine reflexive Wissenschaft hingegen muß sich der Vielfalt stellen;das aber geschieht kaum noch über fixierende und normierende Begriffe,die ausgrenzen, ausschließen und festschreiben, sondern weitaus stärkerüber die Rezeption der Prozesse und Ereignisse, in denen Welten sowieKunstwerke wachsen und wirken. Als Abbildung von Wirklichkeit mußsich Wissenschaft nämlich die Besonderheiten dieser zu eigen machen.
Und Wirklichkeit folgt nicht einem einzigen Modell, sie ist konflikt-haft und dramatisch strukturiert, Einheitlichkeit gewinnt sie nur in spezi-fischen Dimensionen, nicht aber im ganzen( vgl. Paslack 1989). Wolf-gang Welsch hat dies in seiner Arbeit„ Ästhetisches Denken" beispiel-haft formuliert:„ Ambivalenz ist das Mindeste, womit man bei dengegenwärtigen Weltverhältnissen rechnen muß. Die letzten Jahre derDiskussion um Moderne und Postmoderne haben gezeigt, daß keineWirklichkeitsbeschreibung tragfähig ist, die nicht zugleich die Plausi-