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Volkskunst : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1995 in Wien
Entstehung
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Ronald Lutz

rInnen, KunstudentInnen, MusikerInnen, Theaterleuten und Irren. Sietingelt durch die Städte, um zum einen atemberaubende Theaterstückeauf öffentlichen Plätzen vorzuführen, zum anderen aber zu demonstrie-ren, wie lebensfähig und kreativ ehemalige Irrenhausbewohner sind. EinZeitungsartikel über eine solche Aufführung zeigt noch einmal in ver-dichteter Form, was Straßenkunst ist, dabei wird der Artikel selbst zurPoesie( taz vom 20.8.94):

,, Am vergangenen Mittwoch fiel die Blaue Karawane in Leipzig ein;und zwar als bunt geschminkter, maskierter und phantastisch verkleide-ter Haufen mit Blechmusik. Beim Stadion der verflossenen' LokomotiveLeipzig wurden die Zelte aufgebaut. Dann zog die Besatzung durch dieStadt und machte Jux und Dollerei in der piekfeinen neuen Mädler-Passage des flüchtigen Herrn Schneider. Mit Handzetteln, auf denen esschlicht' Grenzüberschreitung! hieß, versuchte man die Vorübergehen-den in den Bann zu ziehen. Was auch gelang: Die künstlerischen Pro-duktionen mit Irren haben, wie die Besucher feststellen mußten, etwasFesselndes. Die Leipziger, die der Einladung zum Werner- Seelenbinder-Platz Folge leisteten und sich Straßentheater und Musikdarbietungenansahen, waren zwar nach der Show nicht schlauer als vorher, was dieZiele der Blauen Karawane anging, aber nach Hause wollte offensicht-lich keiner."

3. Ereignisproduktion aus dem Chaos

Straßenkunst ist ein nach allen Seiten offenes Spiel; insofern stellt sie einchaotisches System dar, daß trotz deterministischer Faktoren empfindlichauf Änderungen der Ausgangsbedingungen reagiert( Woldeck 1989).Die Wirkungen der Straßenarrangements nämlich sind im Gewimmel derStraßen und Plätze nicht vorhersehbar, sie bleiben zufällig und unge-regelt. Ihre Ausdrucksfähigkeit ist vielfältig, wird von lebensweltlicherSperrigkeit geprägt und realisiert widersprüchliche Bedeutungen. Mit-unter wird Altes kombiniert, alte Zeichen werden in neue Bedeutungs-systeme gesetzt oder völlig neue erstehen.

Dabei fehlt das, was man die letzte Feile nennt, jenes Schmirgeln anEcken, Kanten und krummen Linien, aus denen ein Kunstwerk wird, dassich den Begriffen fügt. So aber entfalten sich Aktionen gegen eine ord-nende Vernunft, es wachsen Erfahrungen, die als besondere quer zum