Druckschrift 
Volkskunst : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1995 in Wien
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

58

Nina Gorgus

Die Resonanz auf die Kongreßankündigung war groß: Über 300Referatsmeldungen aus der ganzen Welt wurden registriert. Zwischendem 7. und 13. Oktober 1928 fanden sich, je nach Quelle, zwischen 200und 400 Personen aus 23 Nationen in Prag ein. Einige namhafte Volks-kundler aus Deutschland waren ferngeblieben. Warum, davon soll späterdie Rede sein.

Die Referatsbeiträge- es konnten etwa 100 vorgetragen werden-verteilten sich auf fünf Sektionen, wobei die Volkskunst und VolkskundeEuropas den Schwerpunkt bildete. 10 Zur Auswahl standen Themen wie,, Das Freilichtmuseum in Skansen, Bemalte Ostereier in Rumänien❝oder Das japanische Bauernhaus". Insbesondere die erste Sektion, inder es um Theorie und Methoden sowie um den Begriff Volkskunst ging,war wegbereitend für den internationalen Austausch und seine Institu-tionalisierung. Diese Sektion leitete Henri Focillon selbst. Sie setzte sichim Schlußplenum sehr massiv für ein gemeinsames Vorgehen in derVolkskunstforschung ein. Damit war die CIAP, die Internationale Volks-kunstkommission, aus der Taufe gehoben. Sie bestand aus jeweils einemVertreter aller anwesenden Nationen. Die Kommission wählte aus ihrerMitte fünf Personen in das Organisationskomitee, dem sogenanntenBureau. Museumsdirektor Otto Lehmann aus Hamburg erhielt dabei diemeisten Stimmen und wurde zum Präsidenten der CIAP ernannt." DasInstitut für Intellektuelle Zusammenarbeit in Paris diente weiterhin alsKoordinationsstelle.

Eine Auswahl der Tagungsberichte: Richard Dupierreux: Les arts populaires et l'esprit inter-national. In: La Cooperation intellectuelle. 15. Januar 1929, Nr. 1, S. 15-17; Arthur Haberlandt:Der 1. Internationale Volkskunstkongreß in Prag und seine Ergebnisse. In: Wiener Zeitschrift fürVolkskunde. Dezember 1928, Heft 6, S. 129-134; Otto Lehmann: Der 1. Internationale Volks-kunstkongreẞ in Prag. In: Minerva- Zeitschrift. Mai 1929, Heft 5, S. 79-80; Albert Marinus: Artpopulaire. Brüssel o.J.( wohl 1929) Broschüre. Die Teilnehmerliste selbst( Stand Oktober 1928)nennt 170 Namen. Archiv Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, Dossier CIAP.

10

Sektion I: Historique; methode; generalites; museologie. Sektion II: Arts plastiques et deco-ratifs du bois et des métaux; ceramique; verre, etc. Sektion III: Arts plastiques et decoratifs destissus, vannerie, papier, etc. Sektion IV: Chanson( inidividuelle et collective); musique instru-mentale. Sektion V: Danse; representations dramatiques. Die Resümees der eingesandten Themenwurden vorab veröffentlicht: Societes des Nations: Congres des arts populaires. 7.- 13. Oktober1928. Resumees. Paris, Institut de Cooperation intellectuelle. Paris 1928.11 Gewählt waren außerdem: Arthur Haberlandt/ Österreich, Horak/ Tschechoslowakei,Julien/ Frankreich und Jos Schrijnen/ Niederlande. Haberlandt verzichtete dann zugunsten vonAlbert Marinus/ Belgien auf seine Mitgliedschaft.