Volkskunst und nationale Identität 1870-1914
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Ungewöhnlichkeiten das Auge fesselten“. 33 Die Gegenstände also gerie-ten unter Bedingungen, die für die Tätigkeit der Kunstgewerbemuseencharakteristisch sind; sie wurden in ein modernen Erwartungen undForderungen konformes Bezugssystem überführt. Die Dinge paßten sichden neuen Zwecken an; sie wurden zu Mustern im Kontext eines diffusenSpektrums an Bedeutungsfeldern. Die Naivität und Originalitätvermeintlich ursprünglicher Produktionsweisen schien sie über dasverfeinerte artifizielle Industrieerzeugnis der Gegenwart herauszuheben,wie die Stilisierung und die Farbigkeit der Dekore die Gestaltungsweisenmoderner Fertigungen übertrafen und in dieser Beschaffenheit einerReform des Gewerbes im Verständnis der Lehren Gottfried Sempersförderlich sein konnten. Endlich hatten manche Produzentengruppen alte,ehedem im europäischen Kunsthandwerk verbreitete Techniken bewahrt,die nun dazu dienen konnten, das Repertoire der zur Oberflächenge-staltung im späteren 19. Jahrhundert unabweisbaren Dekore anzurei-chern. Im Ganzen wurden die Sachgebiete der nationalen Hausindustrieeinbezogen in die spezifischen Formen der Weltaneignung des( künstlerischen) Historismus. Ihre Erschließung vermehrte die Massenan Vorbildern aus allen Kunstperioden und so mancher Länder, die imletzten Drittel des 19. Jahrhunderts unter ästhetischen Gesichtspunktengewichtet oder geprüft, propagiert und genutzt wurden. Wenn auch nurauf untergeordneter Ebene, gehörten sie zu einem Fundus, mit dem derKapitalismus danach strebte, um der Steigerung der Gewinne willenTeile des Hausrates jenem beschleunigten Wechsel der Moden, der bis-her nur der Kleidung eignete, zu unterwerfen.
Nicht zuletzt aber geraten die Dinge als Erzeugnisse des Kunst-gewerbes in eine Sphäre von Erörterungen, in denen das Ordnungs-gefüge der Nationalitäten einen hohen Rang hatte. Dieses Prinzip über-spielte häufig die Bindung des Kulturguts an örtliche oder regionalbegrenzte Produktionsverhältnisse. Aufgrund ihrer Anlage tendierenAusstellungsberichte zu solchen Generalisierungen, insbesondere, wennsie- wie etwa gelegentlich der Pariser Weltausstellung 1900- im Län-dervergleich die Lage und Zukunft der Volkskunst darzustellen beab-
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Das Programm ist abgedruckt bei Carl. Th. Richter: Die nationale Hausindustrie( GruppeXXI). In: Officieller Ausstellungs- Bericht hrsg. durch die General- Direction der Weltausstellung1873, Nr. 73. Wien 1874, S. 1-5.