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Bernward Deneke
vierung. Die Hausindustrie wird in einen umfassenderen Bezugsrahmeneingebunden, in jene Wandlungsprozesse der Technik, der Wirtschaft,des Verkehrs, die als konstituierend für den modernen Nationalismusbetrachtet werden. Der Historiker Otto Dann folgert aus vergleichendenStudien zu Entstehungsbedingungen und Funktionen des Nationalismus,daß eine Gesellschaft bereits in Richtung auf eine Modernisierung mobi-lisiert sein muß, wenn in ihr eine nationale Bewegung entstehen soll. 31Erst die sich ändernden Strukturen machen Substanzen der heimischenKultur definierbar und stellen diese gleichzeitig in ein Netz erweiterterund verdichteter Organisationssysteme hinein.
Die Klassifikation, die Hausindustrie als national kennzeichnet,besagt, um aus den Programmschriften des großen StichwortgebersJakob Falke, in den siebziger Jahren Kustos am schon öfters erwähntenMuseum für Kunst und Industrie in Wien, zu zitieren, daß dieseErzeugnisse Formen und Ornamente besitzen, die„ bestimmten Völker-schaften, bestimmten Provinzen, Ortschaften und Dörfern bleibendeigentümlich sind und so gut wie die Volkstrachten zum Unterschei-dungszeichen dienen oder dienen könnten“. Zufolge dieser Konzeption,die dann anläßlich der Weltausstellung in Wien 1873 für die Einrichtungeiner eigenen Abteilung über die nationale Hausindustrie maßgebendwurde, galt das Interesse kaum den Lebensverhältnissen der Dinge, dievielleicht den Ethnographen beschäftigten oder wie sie der National-ökonom sporadisch und an der Peripherie in seine Erkundungen einbe-zog, sondern fast ausschließlich zunächst den künstlerischen Eigen-schaften. 32
Diese Einsichten finden im Programm der Wiener Ausstellung von1873 einen beredten Anwalt: Damals sah man in den Gegenständen,, viele ältere, zum Theile uralte künstlerische Motive, an längst vergan-gene Kunstperioden und Kunststile erinnernd, und somit bedeutungsvollvom geschichtlichen Gesichtspunkte; man fand an ihnen vor allem eineFülle höchst origineller und gesunder Formen, ererbte und für diemoderne Kunst verloren gegangene oder aus der Übung gekommenetechnische Weisen, zahlreiche Ornamente und farbige Ornamentations-arten, die ebenso durch ihre Richtigkeit wie durch ihre Einfachheit und
31 Dann( wie Anm. 16), S. 12.
32 Jakob Falke: Die nationale Hausindustrie. In: Gewerbehalle Jg. 10, 1872, S. 1-3, 17-19, 33-36, 49-50.