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Volkskunst : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1995 in Wien
Entstehung
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Bernward Deneke

Als dieser Text zu Mitte der achtziger Jahre niedergeschriebenworden ist, war im Kreis des Museums für Kunst und Industrie zu Wienzur Kennzeichnung des mehr oder weniger festumrissenen Gebietes dervor- und außerhandwerklichen Güterproduktion die Bezeichnung der,, nationalen Hausindustrie" entstanden. Diese Klassifikation beeinflußtedie Erörterungen um die Sache in der mannigfachsten Weise, zumalbeide Teile der Wortverbindung auf charakteristische Situationen hin-deuten. Die begriffliche Einordnung von Zeugnissen der Volkskunstunter die Betriebsform der Hausindustrie formte den Umgang mit der alskunstgewerblich erkannten ländlichen Güterproduktion bis in die neun-ziger Jahre hinein; in den abstrakten, das Produkt und dessen Konsumvernachlässigenden Untersuchungen der Volkswirtschaft entfaltete dasStichwort von der nationalen Hausindustrie eine spezifische Wirksam-keit und beschrieb hier- dies ist ein Ergebnis des berühmten statistischenKongresses zu Budapest 187629- als eigene Kategorie das Teilgebiet dermit der Würde des Alten, des Traditionellen ausgezeichneten Neben-beschäftigung ackerbautreibender Bevölkerung. Diese Tätigkeit mitihren fließenden Übergängen zum Hausfleiß unterschied sich in syste-matischer Betrachtung strikt von jener anderen Art der Hausindustrie,dem dezentralisierten Großbetrieb mit der für ihn kennzeichnendenAbhängigkeit der Produzenten vom Verleger und der Tendenz zur Mas-senproduktion. Vor allem aber war die Form des Wirtschaftens, die fürdie nationale Hausindustrie charakteristisch ist, bezogen auf die ideal-typische Konstruktion der autarken Haushaltungen, die angesichts desIndustrialisierungsprozesses eine eigentümliche Ausstrahlungskraft, diedann auch die nationalökonomische Literatur erreicht, entfalten konnte.Auf dieser Konstruktion beruhte möglicherweise die für die Betrachtungder Volkskunst in ihrer nationalen Perspektive wichtige Auffassung, daßeinzelne Fertigungen von allen Teilen der Bevölkerung, gewissermaßenvon jedermann, geübt wurden. In diesem Verstande ist es aufschlußreich,daß schon im frühen Ausstellungswesen im Volkskunstbereich in derRegel Muster und Gattungen der Erzeugnisse anonym, also keine mitdem damals wohl mitunter noch bekannten Namen der Herstellerbezeichneten Werkstücke gezeigt worden sind. Die Strukturierung und

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Stieda( wie Anm. 18), S. 12.