Volkskunst und nationale Identität 1870-1914
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samen Faktoren des Umganges mit dem Künstlerischen die wichtigenAnsätze für Zuordnungen und Schematisierungen. Die Ausdehnung desKunstbegriffs auf gewerbliche Produkte, die Ausdifferenzierung desKennworts vom Stil als übergreifendes Klassifikationsprinzip für dieregionale und zeitliche Homogenität der Zeugnisse aus der visuellenKultur, die Vorstellung von einer Determination der Kunst durch natio-nale Merkmale schufen eine Verständigungsebene für die Wahrnehmungeines Kunstbesitzes auch in jenen Kulturen, die über ein handwerklicherzeugtes, den Wechsel der Stile unterworfenes Repertoire an Formenund Ornamenten nicht verfügten. Während die Länder Mittel- und West-europas sich in eine reich entwickelte Geschichte ihrer Kunst zurück-wenden konnten und die Präferenz bestimmter Vorbilder immer wiederwie am Beispiel der Neorenaissance verdeutlicht wurde- der historischbegründeten Legitimation bedurfte, bot sich der Kunstbesitz in denLändern des Nordens, des Ostens und des Südostens, zumindest nachdem Kenntnisstand, der in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhundertserreicht worden ist, mitunter undifferenziert und gleichförmig, gewis-sermaßen dem zeitlichen Wandel enthoben dar; wesentliche Besitztümerder anderwärts den Wechsel der Stile widerspiegelnden Vorbildersamm-lungen in den Gewerbemuseen waren in diesem Falle die Erzeugnisseaus den heimischen Hausindustrien. Wiederholt aber wird offenkundig,daẞ Kunstbesitz und künstlerische Fähigkeiten zu einem nationalenStatussymbol geworden waren. Besonders aufschlußreich ist ein um dieMitte der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts veröffentlichter Aufsatzaus Skandinavien:„ Klein und gering sind die Beiträge, die Norwegenzur allgemeinen künstlerischen Entwicklung Europas geliefert hat. DasLand war abgelegen, die Bevölkerung zerstreut und arbeitete unter allzubedrängten Verhältnissen, als daß die Kunst hier Wurzeln fassen und zurBlüte kommen konnte. Daß es keineswegs Mangel an Anlage und Bega-bung war, welche unser Land gezwungen, eine solche zurückgezogeneStellung einzunehmen, davon zeugt unter anderem der verhältnismäßighohe Standpunkt, der auf dem Gebiete der Volksindustrie erreichtworden ist. Der norwegische Bauer zeigt sich im Besitz eines bemer-kenswerten Form- und Farbensinns(...)<< 28
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M. Grosch: Norwegische Volksindustrie. In: Kunstgewerbeblatt 2, 1886, S. 145-149. Für dentextilen Bereich vgl. Marta Hoffmann: 1880- Årenes nye Billedvev i Norge og litt om utvi-klingen senere. In: Vestlandske Kunstindustrimuseum Årbok 1963- 1968, S. 66-106.