Volkskunst und nationale Identität 1870-1914
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essentielle de succès". 24 Die damals allenthalben einsetzenden, in ihremUmfange und in ihrem zeitlichen Verlauf kaum faßbaren Prozesse derVerkunstung der gestalteten Umwelt der Menschen ließen sich in Hin-sicht der Produktionssphäre mit ökonomischen und sozialen Erwägungenbegründen. Das Argument, daß schöne, stilgerechte Formen den Wertder Waren steigern, zugleich aber auch Chancen eröffnen würden, dieIndividualität des Produzenten gegenüber der Macht des Kapitals undder Maschine zu wahren, stimulierte Sammlungsintentionen der Museen,die zu diesem Zwecke Vorbilder bereitstellten, und andere Maßnahmenzur Erziehung von Hausindustriellen und Handwerkern. Solche Motiveverweisen zunächst auf wirtschaftsbezogene Konnotationen der Ding-gestaltung. Sie werden anschaulich anläßlich der großen Ausstellungenmit der ihnen eigenen Verflechtung von Transnationalität, von nationalerRepräsentation und allgemeinem Wettbewerb, der in vergleichendenAnalysen der Dinge und ihrer Entstehungsbedingungen, aber auch derFortschrittsorientierung der in den einzelnen Gewerbezweigen ausstel-lenden Staaten kodifiziert wurde, also etwa anläßlich der Weltausstel-lungen zwischen der„ great Exhibition of the works of industry of allnations" in London 1851 und der„, Exposition universelle" in Paris 1900,die als Enzyklopädie des damals abgelaufenen Jahrhunderts aufgefaßtworden ist. Neben der Orientierung an den Standards des technisch-industriellen Fortschritts, deren Medien und Umschlagplatz diese Ver-anstaltungen waren, boten sie in der Regel den Anlaß, Elemente desAnschaulichen, in denen der Charakter der einzelnen Staaten, Länderund Landesteile manifest wurde, signalhaft einzubeziehen. In einemvielschichtigen Kommunikationsprozeß motivierten Ausstellungen dieLänder zur Visualisierung von charakteristischen Momenten aus ihrerVergangenheit und Gegenwart wie zur Typisierung von Merkmalen ihresgesellschaftlichen und industriellen Daseins zu allgemein erkennbarenZeichen. Dies geschah beispielsweise durch Ausstellungsarchitekturen,durch Dekorationen, aber auch durch die Präsentation spezifischerSchaustücke aus der nationalen bzw. regionalen Vergangenheit und
24 Georg Maag: Kunst und Industrie im Zeitalter der ersten Weltausstellungen. SynchroneAnalyse einer Epochenschwelle. Diss. Konstanz 1982, S. 162.