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Volkskunst : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1995 in Wien
Entstehung
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Bernward Deneke

zusammenzufassen, auf die in den neunziger Jahren des vorigen Jahr-hunderts einsetzende Tätigkeit von Michael Haberlandt für das Öster-reichische Museum für Volkskunde, durch die in seinen Augen dieserKunstbereich umrissen wurde.'

Nur bei oberflächlicher Betrachtung scheint dieser objektbezogeneDefinitionsversuch des Bezugs zu übergreifenden Deutungsmustern zuentraten. Dabei ist jedoch nicht zu übersehen, daß tragende Elementefrüheren Umgangs mit der Volkskunst nach und nach der Erosionanheimfielen, beispielsweise Volkskunst als Produktions- und Existenz-weise von Dingen abseits der Kunst und des Kunstgewerbes der adeligenund bürgerlichen Eliten, Anschauungen über ihre Zeitlosigkeit oder voneinem verborgenen, in ferne Vergangenheiten zurückweisenden Sinnihrer Zeichen und Bilder, die Festlegung von Stileigenschaften derVolkskunst, also eines spezifischen Volkskunststils.

Überhaupt kommen historische Perspektiven in der Mannigfaltigkeitder Befunde erst dort stärker zur Geltung, wo die Sachgebiete, die unterdem Stichwort der Volkskunst mehr oder minder locker zusammengefügtsind, als eigene Bereiche behandelt werden: die Möbel, die Keramiken,die Gerätschaften aus Metallen etc. Im Zeichen der Spezialisierung undVerwissenschaftlichung verlagert sich damit der Blickwinkel hin zurRealienkunde, weil diese Chancen eröffnet, die geschichtlichen Bezügeder Dingwelt in ihrer Veränderlichkeit, in ihrer zeitlichen Aufeinander-folge, in ihren jeweiligen Kontexten zu beschreiben und zu erklären.²Demgegenüber entziehen sich die Werke der Volkskunst einer Erfassungunter dem Gesichtspunkt ihrer Historizität; es gibt- so problematisch diegeläufigen Periodisierungen nach Stilkategorien auch sein mögenGeschichtsdarstellungen über die gewerblichen Künste, aber keineGeschichte ihres Korrelats, der Volkskunst.³ Dabei ist als besondersgravierender Mangel anzusehen, daß es die Quellensituation nicht ge-stattet, die ästhetischen Wahrnehmungsmöglichkeiten breiterer Bevölke-rungsschichten vor der Zeit der Durchdringung der Gesellschaft mit

Leopold Schmidt: Volkskunst in Österreich. Wien, Hannover 1966, S. 9.

² Dazu Wolfgang Brückner: Volkskunst und Realienforschung. In: Edgar Harvolk( Hg.): Wegeder Volkskunde in Bayern. Ein Handbuch(= Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kultur-geschichte, Bd. 25; Beiträge zur Volkstumsforschung, Bd. 23). München, Würzburg 1987,S. 113-139.

³ Dazu u.a. Bernward Deneke: Volkskunst. Leistungen und Defizite eines Begriffs. In: Jahrbuchfür Volkskunde N.F. 15, 1992, S. 7-21.