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Zauberschlaf und Entrückung : zur Problematik des Motivs der Jenseitszeit in der Volkserzählung
Entstehung
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Wir haben besonders deutlich in den Texten B2a), B4) und B5) gesehen, daßjemand im Verlauf einer Erzählung altern kann, und dieser Alterungsvor-gang bildet sogar einen besonderen Zug mit Motivwirkung.

,, Altern" oder reifen ist nicht immer exakt zu separieren, wie uns diespäteren Beispiele noch aufzeigen werden.

Freilich muß man Lüthi darin zustimmen, daß Jenseitige" nicht altern.Aber ist das nicht gerade ein Charakteristikum für ein jenseits der Zeit"?Der Jenseitige stammt aus der Zeitlosigkeit, aus der Ewigkeit; ihm kannder Zahn der Zeit nichts anhaben. Am Irdischen jedoch wird sozusagender Gang einer kosmischen Uhr ablesbar, ob er nun alt wird wie der jungePriester und der Sohn des Estanzieros oder reif wie es auch für das,, ausgewachsene Schaf" gelten darf- und das im engeren Sinne des Wortes,geschlechtsreif und heiratsfähig. Dafür gibt es Textbelege, wenn sie auchnicht allzu häufig begegnen.

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Zunächst hierzu eine Entwicklung eines männlichen Kindes im Jenseits.

B7) DAS KIND IM BRUNNEN

Einmal hat in einem fernen Reich im Osten ein König gelebt, der war sehrlebenslustig gewesen. Er hatte sich eine Frau genommen, und mit der hat ereine Reihe Kinder gezeugt, und dann ist die Frau gestorben. Später hat er sichwieder eine junge Frau gesucht, und auch von ihr hat er mehrere Söhne undTöchter gehabt. Und endlich ist auch die zweite Frau gestorben.

Der König ist nun bereits im fortgeschrittenen Alter gewesen, aber er warimmer noch hinter den Frauen her. Und einmal hat er in einem Garten einschönes junges Mädchen gesehen. Das Mädchen war ein armes Waisenkindund hat als Magd gearbeitet, aber dem König ist das gleichgültig gewesen,denn reich ist er selber.

Und so hat er dieses Mädchen zur Frau genommen.

Und obwohl der König schon einen weißen Bart hat, er bringt es fertig undschwängert auch noch seine dritte Frau.

Aber nun sind seine Tage gezählt gewesen, und kurz nach der Geburt seinesjüngsten Sohnes hat ihn der Tod eingeholt.

Die letzte Königin hat nicht weit vom Palast in einem kleinen Häuschen miteinem Garten gewohnt.

Nachdem die Trauerfeier und die Beerdigung des Königs vorbei gewesen ist,hat die junge Frau ihre Dienerin in den Palast geschickt und ihr gesagt:, Horcheeinmal herum, was mein Schwager, der neue König, vorhat!"

Und ihre Dienerin hat es geschickt angestellt, sie hat einem von des jungenKönigs Freunden, mit dem sie einmal ein Verhältnis hatte, Geld gegeben.Und von diesem jungen Ritter hat sie nun erfahren, daß der König seine Brüdertöten oder blenden lassen will.

Sie läuft auf dem kürzesten Weg zurück zu ihrer Herrin und sagt: ,, Der Königwill alle seine Brüder ermorden oder blenden lassen. Vielleicht sind bereitsBoten unterwegs.

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