Eine solche Kurzfassung macht jedoch den zeitlichen Gegensatz zwischenDiesseits und Jenseits umso stärker transparent. Eingang und Ausgang derGeschichte umschließen zweifellos auch in einer mündlich erzählten Wie-dergabe in knapper Form den wesentlich breiter ausgedehnten Hauptteilmit dem eigentlichen Schicksal des Helden.
B3) a WIE DREI MEISTER DER SCHWARZKUNST ZUM
HOFE DES KAISERS FRIEDRICH KAMEN
Der Kaiser Friedrich war ein gar edler Herr, und die Leute die irgend etwaskonnten, kamen zu ihm aus allen Gegenden, denn er beschenkte gerne undempfing freundlich alle diejenigen, welche ein besonderes Talent besaßen. Sokamen denn Sänger, Dichter, Erzähler von schönen Geschichten, Spielleute,Fechter, kurz Leute aller Art zu ihm.
Als der Kaiser Friedrich sich eines Tages das Wasser geben ließ und die Tischeschon gedeckt waren, kamen drei Meister der Schwarzkunst in drei Pilger-mänteln zu ihm. Sie grüßten ihn sofort und er fragte sie:„ Wer ist der Meistervon euch dreien?"
Und einer trat vor und antwortete:„ Herr, ich bin es".
Und der Kaiser bat sie, sie möchten ein höfisches Spiel spielen.
Und sie begannen ihren Zauber und spielten ihre Künste. Das Wetter fing andunkel zu werden, es regnete plötzlich, Blitze erhellten den Himmel und Don-nerschläge ertönten, und es schien, als ob ein Hagel losbräche, der aus Stahl-strähnen bestände.
Die Ritter entflohen in ihre Gemächer, der eine dahin, der andere dorthin.Das Wetter wurde wieder hell. Die Meister wollten Abschied nehmen und batenum eine Belohnung. Der Kaiser sagte:„ Verlangt!" und sie verlangten. DemKaiser am nächsten saß der Graf von San Bonifacio. Jene sagten:„ Herr,befiehl diesem, uns gegen unsere Feinde zu Hilfe zu kommen!"
Der Kaiser bat ihn eindringlich darum.
Der Graf machte sich mit ihnen auf den Weg. Sie führten ihn in eine schöneStadt, zeigten ihm Ritter von hohem Adel, und rüsteten ihm ein schönes Streit-roẞ, gaben ihm schöne Waffen und sagten:„ Diese( Ritter) sind bereit, dir zugehorchen".
Die Feinde kamen ihnen entgegen und es entwickelte sich eine Schlacht. DerGraf von Bonifacio schlug sie und machte das Land frei. Und dann lieferte erihnen noch drei Feldschlachten. Er eroberte das Land endgültig.
Man gab ihm eine Dame zur Ehefrau und sie bekamen Kinder.
Lange Zeit regierte er dort. Seine Begleiter verließen ihn und kehrten wiederzurück, nachdem viele Jahre vergangen waren.
Der Sohn des Grafen war bereits vierzig Jahre alt und der Graf selbst warbereits ein Greis.
Da kamen einmal die drei Meister und sagten, sie wollten mit ihm den Kaiser
44