B1) DER MANN, DER IN DER VERGANGENHEIT WEILTE
Ein Trupp von Landleuten ist einmal aus ihrem Dorf in die Stadt geritten, wosie verschiedene Dinge haben erledigen wollen. Darunter ist ein Mann namensRamos gewesen, und was ihm passiert ist, hat mir ein Enkel von ihm erzählt.Weil der Weg weit gewesen ist, haben die Leute zu Mittag eine längere Rastgemacht, sie haben etwas zum Essen dabei gehabt, das haben sie verzehrt,haben dazu getrunken, und manche haben sich hingelegt, um etwas zu ruhenoder zu schlafen.
Später ist dann ihr Anführer herumgegangen und hat den Männern gesagt, daßman wieder aufbrechen muß und daß sie sich richten sollen.
Und Ramos und andere sind noch ins Gebüsch getreten, um sich zu entleeren.Langsam haben sich dann alle wieder in den Sattel gesetzt, und alle warenbereits fertig, nur Ramos hat noch gefehlt; sie haben mehrfach nach ihmgerufen, und wollten gerade wegreiten, da ist er aus dem Gebüsch gekommen.Aber wie hat er ausgeschaut!
Er, der vor zehn Minuten noch wie ein junger Bursche ausgesehen hat, hattenun auf einmal graue Haare und einen grauen Bart, und er hatte auch eineganz andere Kleidung an, eine vornehme, so wie man sie vor hundert Jahrengetragen hat.
„ Was ist Ramos?" hat einer gefragt.„ Willst du Theater spielen? Wie schaustdu denn aus?"
Aber Ramos hat nur gesagt:„ Ihr seid noch da?"
Er hat ganz verwundert den Kopf geschüttelt und hat halblaut zu sich gesagt:,, Sie sind noch da!"
Nun, den Leuten hat es geeilt, und so sind sie losgeritten, und Ramos ist alsletzter hinter ihnen her geritten.
Am Abend haben sie ihn nochmals gefragt:„ Was ist mit dir?"
Aber er hat nicht reden wollen.
Einige Tage später sind sie wieder zurückgeritten, und da haben sie wieder dorthalt gemacht, wo sie auch beim Herreiten Rast gemacht hatten.
Und da hat Ramos zu zwei Männern, mit denen er verwandt oder befreundetwar, gesagt:„ Kommt doch einmal mit! Ich will euch etwas zeigen".Und sie sind ihm in den Wald hinein gefolgt. Da kamen sie nach einigenSchritten zu einem Pfad, und der Pfad hat sich noch etwas weiter zu einerverfallenen und verwachsenen Straße verbreitert.
Sie sind diese Straße vielleicht zwei Minuten, vielleicht drei Minuten entlanggegangen, und da sahen sie auf der anderen Seite die Reste einer Umzäunungoder einer Mauer. Und dahinter war wild verwachsener Wald.
Da ist Ramos stehen geblieben und hat gesagt:„ Nichts mehr da!"
,, Ja was soll denn hier sein? Hier ist doch Wildnis, das sieht man. Vielleicht warhier im vorigen Jahrhundert mal ein Gutshof"
,, Nein", sagt Ramos,„ der Gutshof ist noch hier gestanden, als wir auf demHerweg hier gerastet haben".
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