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Zauberschlaf und Entrückung : zur Problematik des Motivs der Jenseitszeit in der Volkserzählung
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A7) SAN VIRILA

In Navarra wird eine Legende erzählt, die sich in der Abtei Leyre zugetragenhaben soll. Im Volk nennt man den Helden dieser Geschichte ,, San Virila", under soll Abt dieses Klosters Leyre gewesen sein. Und so lautet die Geschichte:Virila war ein kluger und frommer Mann. Er sorgte gut für sein Kloster undfür die Armen, die an dessen Pforten kopften. Er hielt darauf, daß die Gebeterichtig und zu ihrer Zeit gesprochen wurden. Er kümmerte sich darum, daßniemand hungerte und daß auch keine Völlerei herrschte. Kurz und gut: erwäre ein ausgezeichneter Vater Abt gewesen, hätte er nicht eine Schwächebesessen.

Und welchen Fehler hatte er? Er dachte zuviel nach. Und über was dachte ernach? Er überlegte, ob es für die Seelen nicht gar zu langweilig sein könnte,wenn sie auf ewig die Anschauung Gottes als einzige Aufgabe und Unterhal-tung hätten. Darüber dachte er immer und immer nach, und er dachte soangestrengt und so tief nach, daß er darüber alles andere vergaß.Eines Tages verließ er nach den Laudes, dem Morgengebet, sein Kloster, um imWald nach den Arbeitern zu sehen. Aber als er im Wald war, hatte er schonvergessen, was er eigentlich gewollt hatte, und er sprach zu sich selber:,, Nein, das kann es nicht geben, daß jemand nur in die Anschauung Gottesversunken ist, und daß es ihm dabei nicht langweilig werden soll. Eines Tageswird er etwas anderes machen wollen."

Als er noch so sprach, hörte er einen Vogel singen, eine Nachtigall. Nun hatteer zwar schon den Gesang vieler Vögel vernommen, aber ein so schönes Lied,so schien es ihm, hatte er noch nie gehört.

Hingerissen lauschte er dem Gesang, und dann sprach er: Wenn man diesenVogel fangen könnte, hätten wir im Kloster den fröhlichsten Sänger, den wiruns wünschten."

Und er beschloß, den Versuch zu machen, den Vogel einzufangen. Langsamnäherte er sich, und als er ganz nahe war, streckte er die Hand aus, undwirklich, der Vogel setzte sich auf seine Hand. Aber als er sie schließen wollte,war die Nachtigall mit einemmal entschwunden.

Im gleichen Augenblick besann sich Virila darauf, daß er zu den Arbeitern imWald hatte gehen wollen. Aber als er an den entsprechenden Platz kam, schienihm alles sehr verändert: anstelle der alten hohen Bäume standen dort junge.Und von den Arbeitern war keine Spur zu entdecken.

Da entschloß sich der Abt, umzukehren, um rechtzeitig zum Mittagessen imKloster zu sein.

Als er sich freilich dem Kloster näherte, kam ihm dort vieles ganz anders vor,und er wunderte sich darüber, daß er das nicht schon bei seinen Spaziergängenin den letzten Tagen bemerkt habe.

So kam er zur Pforte und wollte eben den Bruder Pförtner fragen, wer denAuftrag für jene Veränderungen gegeben habe, als er ein ganz fremdes Gesichterblickte.

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