A1) FLUCHT INS FEENLAND
Es war einmal ein König, der hatte drei Söhne: zwei von seiner ersten Frau,und als diese gestorben war, hatte er noch einmal geheiratet, und auch seinezweite Frau hatte ihm einen Sohn geboren.
Der jüngste Sohn war der schönste von den drei Burschen, aber er galt amHofe weniger als seine Brüder, weil seine Mutter nicht aus dem Königreichstammte, sondern übers Meer aus einem fernen Land im Osten gekommen
war.
Der König aber liebte diesen seinen Jüngsten besonders, und so konnte es nichtausbleiben, daß ihn seine beiden Stiefbrüder zu hassen begannen. Man ver-steht: sie waren neidisch auf ihn, weil ihn der Vater geliebt hat.
Nachdem etliche Jahre vergangen waren, erkrankte der König schwer, und alleÄrzte und Heilkundigen des Königreiches, die man zusammengerufen hat,konnten nicht helfen. Endlich kam noch ein alter und weiser Mann, und dersagte:„ Der König muß sterben, wenn nicht jemand die Wurzel Revenial findenund bringen kann. Nur mit ihr ist es möglich, den König zu heilen."
Da ließ der König seine Söhne rufen und sagte zu ihnen: ,, Vielleicht habt ihr esschon gehört: ich muß sterben, falls nicht jemand die Wurzel Revenial findet.Sucht euch also jeder ein Pferd aus, nehmt Geld und Essen mit, und zieht aus,diese Wurzel zu suchen!"
Die beiden älteren Brüder suchten sich die schönsten und kräftigsten Pferde,steckten soviel Geld ein, als sie nur tragen konnten, und ritten davon. Freilichmachten sie sich nicht die Mühe, nach der Wurzel Revenial zu suchen, sondernsie begaben sich in die Stadt eines benachbarten Königreiches, und ließen essich dort gut gehen. Sie dachten:„ Ist der Vater gestorben, so werden wirzurückkehren und herrschen."
Während dessen ging der Jüngste zu seiner Mutter und sagte:„ Mutter, du wirstwohl gehört haben, daß der Vater schwer krank ist, und daß er sterben muß,falls man nicht die Wurzel Revenial findet." ,, Ja, mein Sohn", sagte dieMutter, und da willst du wohl ausziehen, dieses Wunderkraut zu suchen?",, Ja, das will ich."„ Du tust gut, mein Kind", sagte die Mutter, wenn du sohandelst. Du mußt aber wissen, daß diese Pflanze sehr schwer zu finden ist.Reite deshalb in die Berge und frage dort nach dem alten Einsiedler Antoni. Erist der einzige, der dir raten kann.“
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Der Prinz ging in den Stall, um sich ein Pferd zu satteln seine Brüder warenschon weggeritten und da sieht er ein ganz junges Pferd stehen, das nochkeinen Sattel getragen hat. Und das Pferd spricht:„ He du, Königssohn!"„ Ja, was gibt es?"— Wenn du ausreiten willst, so wähle mich!"„ Aber,was", sagt der Bursche ,,, du bist ja noch gar nicht abgerichtet und würdest michabwerfen. Soll ich zum Spott werden vor dem ganzen Hof?"- ,, Hab keineAngst, Königssohn", sagt das Pferd ,,, ich bin nicht wie die anderen Pferde, undich werde dich keinesfalls abwerfen. Ich werde dich im Gegenteil ganz sanfttragen, und dabei sehr schnell".
„ Also gut“, sagt der Prinz, der sanftmütig war,„ so soll es so sein, wie duwillst".
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