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Zauberschlaf und Entrückung : zur Problematik des Motivs der Jenseitszeit in der Volkserzählung
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nach hundertjährigem Schlaf zum Bischof erhoben wird.

Wenn wir nun zum Motiv vom entrückten Mönch übergehen, so lassensich selbstverständlich den von Röhrich20) klug ausgewählten Beispielennoch zahlreiche weitere aus der neueren Zeit anfügen, wir werden unsjedoch auf zwei typische Texte beschränken, um ablesbar zu machen, wiestark bis in unsere Tage der Urtypus des Motivs diese Volkserzählungengeprägt hat.

So beliebt der Mönch von Heisterbach" im deutschen Sprachbereich ein-mal gewesen ist, so hat sich doch ein nur wesentlich schwächerer Nachhallerhalten im Vergleich zur Romania.

Unser erster Text stammt aus der Auvergne 21), doch haben sich ganz ähn-liche Fassungen noch vor vierzig Jahren in mehreren Provinzen Südfrank-reichs finden lassen. Die Sammlung Noël enthält nicht weniger als 6Varianten. Ebenfalls sechs Belege zählt Marie- Louise Tenèze 22) auf. Sieverweist unter diesem T 471 A als älteste Fassung auf: le plus ancientexte connu, source directe ou indirecte de toutes les attestations latines eten langue vulgaire ultérieure, est celui des sermons de Maurice de Sully,évèque de Paris au XIIe siècle".

Es überrascht so nicht, daß die breite Streuung auch heute noch sichbesonders im südfranzösischen und im angrenzenden baskisch- nord-spanischen Raum beobachten läßt.

A6) DER PARADIESVOGEL

Ein Mönch aus dem Kloster Chaumont hatte die Gewohnheit, sich täglichtiefen Betrachtungen hinzugeben.

Eines Tages ging er in den nahen Wald, der zum Kloster gehörte und den manheute le Bois- des- Pères"( den Wald der Väter) nennt, um sich dort seinengewohnten geistigen Übungen der mystischen Kontemplation mit mehr Ruhehingeben zu können. Da erblickte er plötzlich einen Vogel, dessen Federkleidvon strahlender Schönheit war und dessen Gesang noch mehr entzückte alssein Aussehen. Er flatterte von Zweig zu Zweig vor ihm her.

Der gute Pater dachte, daß er den Vogel mit Leichtigkeit fangen könne. Erjagte ihm also nach. Sobald er ihn zu erhaschen glaubte, schlüpfte ihm dasflinke Federvieh durch die Finger. Wurde er hingegen vor Erschöpfung ganzmutlos, so flog der Vogel geschwind zu ihm, stellte sein schönes Gefieder zurSchau, ließ sein bezauberndstes Liedchen erklingen, und der gute Mönchgewann wieder Mut und gab sich doppelte Mühe, ihn zu fangen.

Hat er schließlich den Vogel erwischt, den viele Paradiesvogel nennen? Wohinhat ihn die Jagd nach ihm geführt? In der Geschichte, die man mir erzählt hat,wird nichts davon erwähnt.

Wie dem auch sei; Pater Anselm glaubte, daß er nur wenige Stunden ausgewesen sei, aber er hatte sich beträchtlich in der Zeit geirrt. Da suchte er sichnun zu orientieren; nur die Sonne war unverändert geblieben. Alles um ihn her

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