Druckschrift 
Zauberschlaf und Entrückung : zur Problematik des Motivs der Jenseitszeit in der Volkserzählung
Entstehung
Seite
41
Einzelbild herunterladen
 

B3) DER MANN, DER IM TOTENREICH WAR

Da war einmal ein Mann, dem war es verboten, in der Nacht einen Kakao-strauch zu berühren.

Wie er aber eines Nachts heimgegangen ist, hat er nicht aufgepaßt und hateinen Kakaostrauch berührt. Er ist sehr erschrocken und ist gleich zumMedizinmann gelaufen, und der hat ihm eine Medizin mit einem Gegenzaubergegeben und hat gesagt: Einmal hilft die Medizin, zweimal aber nicht. Paẞauf, daß es dir nicht wie deiner ersten Frau ergeht, die wegen etwas Der-artigem gestorben ist".

Einige Zeit danach ist der Mann wieder in der Nacht zu seinem Dorf gegangen,und da er sehr müde war, hat er nicht aufgepaẞt, und er hat wieder einenKakaostrauch berührt. Wie er es gemerkt hat, ist er sehr erschrocken und istgleich zum Zauberer gelaufen. Der hat ihm eine Medizin gegeben und hatgesagt: Einmal hilft die Medizin, zweimal hilft die Medizin, ein drittesmalnicht".

Ein ganzes Jahr ist nichts passiert, denn der Mann war sehr vorsichtig. Aberdann war er einmal in einem andern Dorf bei einem Fest, hat dort zuvielPulque( Schnaps) getrunken und einen Rausch bekommen. Und als erberauscht heimgegangen ist, hat er wieder einen Kakaostrauch berührt.Da ist er sehr erschrocken und schnell ganz nüchtern geworden. Und er ist zumMedizinmann gelaufen, aber der hat gesagt: Einmal hilft die Medizin, zwei-mal hilft die Medizin, beim drittenmal hilft sie nicht. Du mußt sterben".Da ist der Mann traurig heimgegangen, hat sich hingelegt und ist gestorben.Und nachdem er gestorben war, ist er wieder aufgestanden, hat sich einen Sackmit Essen mitgenommen und hat sich auf den Weg zum Meer gemacht.Und er ist gegangen und gegangen, und dann ist er am Meer angekommen. AmMeer aber hat ein Seehund auf ihn gewartet, und der hat ihn auf seinen Rückengenommen und ist mit ihm zur Insel der Toten geschwommen.

Wie er an der Insel der Toten angekommen ist, hat man gerade die Sonneaufgehen sehen, und der Mann hat beobachtet, daß aus dem Seehund einMensch wird. Und in dem Menschen hat er seinen verstorbenen Vater erkannt.,, Grüß dich", hat der Vater gesagt, komm nur mit mir in unser Dorf! Du wirstes gut, bei uns haben".

Der Mann hat sich etwas gewundert und hat seinen Vater gefragt: Sag ein-mal: warst du nicht vorhin ein Seehund?"." Ja", hat der Vater geantwortet,,, und in der nächsten Nacht wirst du auch als Seehund herumschwimmen. AmTage aber wirst du wie ein Mensch sein. Alle bei uns machen es so. Die meistenwerden in der Nacht zu Seehunden, manche aber auch zu anderen Tieren".Und sie sind in das Dorf gegangen, und der Mann hat dort auch seine erste Frauwiedergefunden, und sie haben recht fröhlich miteinander gelebt. Und so isteinige Zeit vergangen.

Aber dann kam ein Tag, wo man alles im Dorf für ein großes Fest vorbereitet

hat.

41