Er wollte den Wirt um den Heimweg fragen, aber er konnte sich nur schwermit ihm verständigen, denn der sprach eine so seltsame Sprache, daß Pedronur einzelne Brocken davon verstand. Er meinte jedoch, daß der Wirt ihmriete, in die Stadt zu reiten. Und so blieb er noch über Nacht, und am nächstenTag ritt er in die Stadt, die nicht sehr weit entfernt lag.
In der Stadt fragte er verschiedene Leute nach dem Weg in seinen Heimatort,aber niemand kannte ihn.
Müde stieg er vom Pferd und wußte nicht, was er tun sollte, als ein Kavalierdes Wegs kam. Pedro hatte zwar den unbekannten Anführer im Dunkelnnicht recht erkannt, aber er erkannte das Pferd wieder.
,, Ach, da seid Ihr ja!" rief Pedro aus,„ Ich habe mich bei der Verfolgung desBanditen verirrt und den Heimweg nicht mehr gefunden. Nun bin ich schonganz verwirrt, denn niemand von den guten Leuten hier kennt meine Heimat."„ Aber das macht doch nichts", sagte der Unbekannte,„ du bist nun einmalhier, und es wird mich freuen, wenn du als Gast in mein Haus kommst. Späterwerde ich dir dann den Heimweg zeigen lassen. Ich bin dir Dank schuldig fürdeine Hilfe, und es soll dir bei uns gut ergehen."
Er nahm also den Pedro mit sich nach Hause, in einen prächtigen Palastmitten in der Stadt, mit vielen schönen und reichen Zimmern und Sälen.Pedro fand Gefallen an dem Leben in der Stadt, und vor allem verliebte ersich in eine Tochter des unbekannten Herrn, von dem er nun erfuhr, daß er einreicher Graf war.
Aber nach einigen Tagen wollte Pedro nach Hause zurückkehren, doch derGraf sagte zu ihm:„ Pedro, bleibe noch etwas bei uns. Dein Vater weiß, wanndu zurückkommen wirst, und du sollst den Zeitpunkt auch genau einhaltenund pünktlich daheim sein."
Da ließ sich Pedro überreden, und er blieb in der Stadt.
Und es verging kaum ein Jahr, da heiratete er die Tochter des Grafen, und derließ dem jungen Paar einen andern Palast bauen, der war nicht wenigerprächtig als sein eigener.
Pedro, der nun ganz in jenem Lande heimisch geworden war, ging dort seinenGeschäften nach. Seine Frau gebar ihm Söhne und Töchter, und er lebteglücklich und zufrieden.
Nur von Zeit zu Zeit hatte er Sehnsucht nach seinen Eltern und Geschwistern,aber immer vertröstete ihn sein Schwiegervater:„ Das hat doch Zeit. Dukommst früh genug nach Hause."
So verstrichen die Jahre, und Pedro war bereits Großvater geworden, als erseine Sehnsucht nach daheim nicht mehr bezähmen konnte, und eines Abendssagte er zu seinem Schwiegervater, der nun schon ein gebrechlicher Greiswar:„ Vater, morgen will ich aufbrechen und meine Familie besuchen."Willst du wirklich?"
"
,, Ja. Ich fürchte zwar, meine Eltern werden längst im Grabe liegen, abermeine Brüder und Schwestern sollten doch noch am Leben sein, denn ich binja der Älteste."
,, Nun gut, so werde ich dir morgen jemand mitgeben, der dir den Weg zeigt."sagte der alte Graf.
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