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Zauberschlaf und Entrückung : zur Problematik des Motivs der Jenseitszeit in der Volkserzählung
Entstehung
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" Wieso Jahre?" sagt der Mann, ich bin doch erst vor drei Wochenweggefahren".

,, Was drei Wochen? Vor drei Jahren bist du weggefahren."

,, Und was ist aus meinem Karren geworden?"

,, Den haben deine Freunde damals gebracht. Sie haben gesagt:, Wir wissennicht, wohin Alexie geraten ist. Er ging in ein Haus und kam nicht mehrheraus. Wir haben gerufen, aber er hat nicht geantwortet'.- Und wo warstdu nun wirklich?"

Ich?" sagt der Mann, aber ich verstehe das ja selber nicht! Ich bin nur für 3Minuten in ein Haus gegangen, habe mir eine Pfeife angezündet und einenBecher Milch getrunken, und dann bin ich gleich wieder gegangen. Na sowas!"

Nun, später ist der Fuhrmann jene Straße gefahren, die er vor drei Jahrengefahren war, und er hat sich vorgenommen, zu der Hütte zu gehen und diejunge Frau zu fragen, aber als er dort vorbeigefahren ist- es war diesmalhoch im Sommer- war keine Hütte mehr zu sehen.

Er fragte seine Kameraden: He, erinnert ihr euch, ob da drüben einmal eineHütte stand?"- ,, Ja, da war wohl einmal eine. Aber die ist nicht mehr da.Nicht einmal ein Stein mehr ist davon übrig."

"

Da hat der Mann gewußt, daß er irgendwie behext gewesen ist. Aber warumund wozu? Das hat er nicht gewußt.

Hier im Ort haben ihn noch manche Leute gekannt. Jetzt lebt er wohl nichtmehr.

Auch in dieser Sage ist der Zeitraum, der vergeht, während der Fuhrmannin der Hütte verweilt, die als Jenseitsort gelten darf, nur drei Jahre. EinAnschluß an das frühere Leben ist also absolut möglich. Der Mann glaubtsich verhext, obwohl er sonst keinerlei Konsequenzen einer Verzauberungbemerkt als eben nur diese verlorene" Zeit. Er hat weiter keinen Schadenerlitten.

In einer anderen balkanischen Sage 36) betritt ein Wanderer ein Haus, iẞteine Suppe, die ihm angeboten wird, und als er wieder herauskommt, istinzwischen der Weltkrieg gewesen.

Es wäre einfach, das Ganze als Bewußtseinstrübung oder Gedächtnisver-lust darzustellen, wie es manche Varianten nahezulegen scheinen. Wir sindgewohnt, Zauber und Magie in der Verwandlung von Mensch und Tier, inäußerem Schaden oder Krankheit zu sehen. Doch kann sich die Magieauch auf die Zeit erstrecken, und auf diese Weise Verwicklungen auslösen.Verblüffend sind Parallelen zu unserer Sage A9), in denen die Zeitverhält-nisse umgedreht sind. Freilich ist dem Berichterstatter kein einschlägigesBeispiel aus dem Balkan bekannt, doch darf nicht ex silentio daraufgeschlossen werden, daß es solche Sagen nur in der Westromania gäbe.In der Westromania gibt es Belege für Andalusien und Brasilien, und ausdem letzteren Land stammt die folgende Sage37), die vermutlich ausEuropa eingewandert ist.

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