1. Der Dielenträger links enthält an seiner Untersicht in zweiSchriftreihen:
,, J. M. Jos. Dieses Gebeuw hat gemacht Meister Zimmerman,, Alexius Murman und Aloisius Murman im Jahr 1774 den,, 10 Weinmonat."
2. Der Dielenträger rechts enthält ebenso in zwei Zeilen:
,, Hoc opus, fieri fecit pl'm r'dus ac doctissimus d'nus d'nusj'oes andreas murman curatus in eichon."
,, Jesus. Maria Joseph unter eurem Schutz steht dieses Haus."3. Das mittlere Feld zwischen jenen Trägern enthält zunächstder Zimmerthüre den Spruch:
„ Ich Gehe Aus Oder Ein, so kombt der Tod und,, wartet Mein."
Darauf folgt ein Todtengerippe, welches mit seinen Beinen übereiner Weltkugel steht, die in vier Felder getheilt, verschiedene Städte-ansichten enthält und mit seinen Knochenhänden eine Tafel fasst,worauf die Worte stehen:
Qualis vita mors est ita."
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Weiterhin folgen drei grosse sechseckige Sterne in Kreisen, welchemit Ranken und Blumen umgeben sind.
4. In dem einen grossen Seitenfeld links stehen nur die sehr grossgeschriebenen Worte:
,, Alles Gott Zu Lieb."
5. In dem andern Seitenfeld liest man über der Stelle des Speise-tisches zunächst der Fenster:
,, Trink Und Is Gott Nit Vergis."
Darauf folgen die gezierten Zeichen für,, Maria Jesus Joseph."
Ferner der Spruch:
,, Wer Seinem Nechsten Die Ehr AbschneidT,, Der Weich Von Meiner Tafel WeiT."
und in sehr grosser gezierter Zeile
,, Gott Sei Dank."
Den Schluss bildet eine umrahmte viereckte Tafel mit der Zeit-angabe 1777 den 17. Jener."
Ein Alpenhaus im Lötschenthal und das Schulhaus
in Steg.
( Tafel 14.)
Die Tafel 14 enthält zur Linken ein kleines Alpenhaus von dernur im Sommer bezogenen Hochalp der Gemeinde Kippel. In unsererDarstellung haben wir dieses hochstehende Haus auf das weit tieferePlateau des Ortes Kippel herunter geschoben.
In der Mitte der Tafel sieht man das Lötschenthal von Kippelaus gegen das Dorf Wyler und den Lötschengletscher im Hintergrund,der einen Zweig vom grössten Gletscher in Europa bildet.
Im Vorgrund steht ein aus starkem Bauholz konstruirter Brunnen,welcher von Heremence entnommen ist; die Leute auf der Hochalpbeziehen ihren Wasserbedarf von den aus den Wiesen entspringendenkostbaren Quellen.
Diesem ganz ähnliche Brunnen sollen sich mehrere im LandeSavoyen befinden.
Zur Rechten auf Tafel 14 ist das Schulhaus von Steg abgebildet;dieses Steg ist ein kleiner Filialort von Gampel und liegt in dessenNähe unfern vom Einfluss der Lonza in die Rhone, am Eingang deswildromantischen Lötschenthals, in welchem die vier aufeinander folgen-den Gemeinden Ferden, Kippel, Wyler und Blatten zu einer Ge-nossenschaft vereinigt sind.
Betrachten wir nun eingehender das zuerst genannte Alpenhaus,auf dessen Giebelfronte der Namen des Zimmermeisters Murman vonKippel mit der Jahreszahl 1772 steht, so würden wir, im Falle dieserMeister nicht genannt wäre, dessen geschickte Hand doch an derUebereinstimmung des Stilcharakters dieses Hauses mit dem des vor-beschriebenen von Kippel erkannt haben.
Vorzugsweise stehen auf der Südseite des Thales auf dieser Hoch-alp solche Blockhütten, auf gemauerten Stallungen, immer mit dem
Wohnzimmer an der Giebelfronte gegen Süden am Bergabhange, sodass die beiden seitlichen Hausthüren in die gemauerte Küche hinterdem zugleich als Schlafzimmer benutzten Wohnzimmer höher liegen,als der Eingang zum vorderen Kuhstall.
Sie stehen theils vereinzelt, theils gruppenweise zusammen undentbehren grösstentheils jedes äusseren Schmuckes, so dass das hierdargestellte eine besondere Beachtung verdient.
Der Anblick dieses niedlichen Alpenhäuschens, das Minimum einerWohnung für eine kleine Arbeiterfamilie, erweckt unwillkürlich unsernangebornen Sinn für das Schöne.
Es liegt eine wunderbare Poesie in dem Sommerleben auf diesenHochalpen; dem Himmel so viel näher, weit vom tiefen unteren Treibender Menschen, unterzieht sich der Mensch hier dem Kampfe ums Dasein;wie Robinson auf seiner Insel ist er meist auf seine Erfindungsgabeangewiesen, um die unentbehrlichsten Lebensbedürfnisse zu befriedigen;aber die herrliche Alpenluft und die einfache Nahrung verleihen ihmeine Kraft, welche ihn leicht über alle Widerwärtigkeiten desLebens erhebt.
Das Vermögen des reichsten Mannes im Lötschenthal beziffertsich auf etwa 50,000 fres. und beruht auf seinem Viehstand von Kühen,Rindern und Schafen, auch Schweinen, aber nur gesetzlich wenigZiegen, weil diese die jungen Waldpflanzungen zernagen. Das Melkender Kühe, so wie die Bereitung von Butter und Käse ist im Sommermeist den Frauen und Jungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrauen auf der Hochalp überlassen, welchedann nur an Sonntagen oder hohen Festtagen zur Kirche herab insOrt kommen. Die darin zurückgebliebenen Männer und Jünglingebebauen die im Thale darum liegenden Aecker und Wiesen, wobei