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Haus in Vex.
( Tafel 15.)
Von Sitten aus führt eine Poststrasse mit vielen Windungen zudem hochliegenden Pfarrdorfe Vex im Seitenthal von Heremence.
Das noch höher gelegene Pfarrdorf Heremence ist von Vex ausnur durch einen schmalen Saumpfad zugänglich. Beide Orte zeichnensich durch den Schmuck ihrer Blockhäuser aus.
Bei einzelnen derselben erkennen wir dieses schon an der reichenDecoration ihrer Wandvorstösse nach Fig. 45( welche wir hier miteiner Hausecke von Kippel verbunden haben).
Die sonst üblichen Auskerbungen an den Kanten der Vorstösse,zur Maskirung der unvermeidlichen Verwitterung der Hirnseiten, wieder-holen sich hier noch zweimal an jeder ihrer Seitenflächen und diezwölf aufsteigenden Reihen von Auskerbungen an jeder Hauseckewaren früher in gleich wiederkehrender und überbundener Anordnungder Farben schwarz, roth, grün und weiss bemalt. Das Ausstemmendes Holzes an den Seitenflächen ging hierbei sehr rasch von Statten;die Blockwände wurden nämlich etagenweise auf dem Werkplatz einzelnmit Verbindung aller Balken durch Holznägel errichtet, sodann um-gelegt und mit einer 24 cm langen Säge nach der vorgezeichnetenRichtung ein 2 cm tiefer Einschnitt senkrecht ins Holz gemacht,worauf die Auskerbungen von beiden Seiten mit dem Hohlmeiselerfolgten.
Das auf Tafel 15 dargestellte Wohnhaus von Vex aus dem Jahr1788 ist einzig in seiner Art, gleichsam ein exotisches Gewächs indiesem Lande.
Es hat von den Eingangs erwähnten Eigenthümlichkeiten desWalliser Blockbaues nur wenige beibehalten, dagegen hinsichtlich seinesHolzbaus in vielen konstructiven und decorativen Beziehungen denCharakter desjenigen des Berner Oberlandes angenommen. Rücksicht-lich seiner Konstruction erwähnen wir die einfachen Dielenlagen derFussböden, also den Mangel der Dielenträger und ihrer vorstossendenKöpfe, den Ständerbau der ersten Holzetage, wobei aber der mittlereStänder nur bis zur ersten Fensterbrüstung reicht; ferner die Ver-bindung dieser Ständeretage mit dem Blockbau der zweiten, wie auchdie kleinen, nach g Tafel 15 in die Mauerschwelle mit Schwalben-schwanzzapfen eingeschobenen Konsolen, als Stützen des vorgeschobenenFrontgiebels.
Rücksichtlich seiner Decoration führen wir die reichen Zonen derGurtungen zwischen den Fensterreihen an, sowie die Profilirung derDachfetten nach d, e, f Tafel 15 und die kleinen Konsolen unter denVorstössen, welche nach c Tafel 15 genau mit denen des BernerOberlandes übereinstimmen.
Seinen Walliser Charakter beurkundet dieses Haus in der Artder Verbindung des Holzbaues mit dem Steinbau, sowohl der Tiefe nachin seiner nach h Tafel 15 fast doppelt quadratischen Grundrissanlage, alsauch der Höhe nach durch die doppelten Geschosse des steinernen Unter-baues. Auch zeigen dessen Ornamente nach a, b, c und g Tafel 15mehr den Renaissancestil als denjenigen des Berner Oberlandes.
a stellt einen Zwischenpfosten der unteren Fenster vor, b, c undg die verschiedenen Gesimse der Giebelfronte und h den Grundrissdes ersten Holzbodens.
Beide Holzböden können von je zwei Familien bewohnt werden,wobei aber jeder nur ein Zimmer und eine Küche zugemessen ist.Ursprünglich war die jetzt zugemauerte Thüre in der Zwischenwandder beiden unteren Zimmer offen, wie in h Tafel 15 angegeben, sodass das erste Geschoss nur von einer Familie bewohnt wurde.
Das Terrain steigt von vorn nach hinten so bedeutend, dass vorder hinteren Hausthüre nur wenige Stufen liegen.
Die Hausthüre am vorderen Giebel führt durch den mittlerenHausgang zu der in h Tafel 15 eingezeichneten steinernen Treppeaufwärts auf den ersten Holzboden.
Eine Holztreppe zu dem oberen Boden ist am hinteren Giebelmit einer Laube für den Abort angebaut.
Die Fussböden der unteren Küchen bestehen aus einer regel-mässigen Lage von Balken, deren breite Zwischenräume durch Roll-mauerwerk in Mörtel ausgefüllt sind. Darüber ist sodann mit einerdicken Mörtelschichte abgeglichen.
In Bezug auf die Höhenmaasse des Hauses fügen wir noch bei,dass die beiden gemauerten Stockwerke am Frontgiebel über Erdezusammen 3,6 m hoch sind.
Die Hausthüre daselbst ist 1,8 m hoch und 0,93 m breit; beimersten Holzboden beträgt die lichte Höhe der Zimmer 2,07 m, unddie Brüstungshöhe der Fenster 0,9 m.
Letztere haben bei 72 cm Breite 90 cm Höhe, deren Zwischen-pfosten sind 21 cm breit und die Eckständer des Hauses 45 cm breit.