vor, dass besondere Holzkeile von aussen eingetrieben werden konnten,genau so wie es in dem Lachner'schen Werke bei den ältesten HäusernHildesheims gezeichnet ist. Die Wandgefache waren mit Ausnahmeder Fensteröffnungen gestückt und mit Strohlehm umwickelt.
Wegen dem hohen Grundwasser im Torfboden bestanden dieFundamente der Kellermauern über Erde aus einem durchgehendenDübelgebälke, welches auf mehreren Schichten liegender Rundhölzerruhte.
In Bezug auf die Dachkonstruction lag dieselbe Aufgabe, alsVerbindung eines liegenden Stuhls mit einem Kniestock und mit
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Voraussetzung der die Gebälke stützenden Scheidewände, bei demneuen Post- und Telegraphengebäude in Lübeck zu Grunde, dessenDachstuhl aus Tannenholz mit geringerer Spannweite zur Vergleichungauf Tafel 21 in gleichem Maassstab mit dem vorerwähnten, nach derdeutschen Bauzeitung Nr. 52 von 1884 beigezeichnet ist.
Bei den schweizerischen Ständerbauten sind die Gebälke durchin die Wände eingenuthete Bohlen ersetzt und demgemäss gehen dieStänder nur bei den Knotenpunkten der Haupt- und Scheidewändebis unters Dach.
Speicherbauten verschiedener Kantone.
( Tafel 22.)
Auf Tafel 22 links oben erscheint ein Speicherbau von Filisurim Albulabezirk Graubündens; derselbe ist durch eine Holzbrücke mitdem nahe stehenden Wohnhause und sein hinterer Giebel mit derStallung neben dem Hause verbunden. Es ist ein Ständerbau ausdem Anfange dieses Jahrhunderts, der sich, wie man aus der Lageder Fussfette ersieht, von vorne nach hinten zu verengt.
Die vordere Giebelwand ist 4,65 m lang, die vortretende Lauben-brüstung ist in Folge jener Verengung um 30 cm länger. Die Tiefedes Speichers von Wand zu Wand beträgt mit Einschluss der Eck-ständer 4,95 m.
Neben diesem Speicher ist ein anderer von Waltenschweil imKanton Aargau dargestellt, dem die Jahreszahl 1621 eingeschriebenist. Die Eckpfosten dieses Ständerbaues gehen in einer Stärke von42 auf 27 cm von der Schwelle bis unter das Dach. Die Schwellenauf den Seitenmauern sind nach dem Baumwuchs verjüngt am stärkerenEnde 51 cm hoch und 30 cm breit. Die Giebelwände haben eineLänge von 4,59 m, die Traufseiten 4,74 m. Die Gallerie ist ringsum1,08 m im Lichten weit. Die Firstlänge zwischen den beiden Walmenstimmt mit der Länge der Traufseiten überein.
Die beiden einzigen Dachbinder auf den Giebelwänden bestehenaus je zwei stehenden Pfosten unter den Mittelfetten, worauf derKehlbalken mit einem kurzen Pfosten zur Stütze der Firstfette ruht.Zwei schräge überblattete Büge verspannen die genannten Pfostenjedes Binders; weitere sorgfältig eingesetzte Büge dienen sowohl zurWinkelversteifung der Wände wie auch im Dach zum Längenverbandder Binder.
Auf der Mitte der Tafel 22 sind die beiden Giebelfronten einesKässpeichers von Thalweil bei Stans, Kanton Unterwalden aus demJahre 1791 abgebildet. Dieser Bau ist zwischen den 12 cm starkenBlockwänden 3,66 m am Giebel und 4,44 m an den Seiten lang. DieVorlaube steht 0,9 m vor der vorderen Giebelwand, die Treppe dabeiaber nur 0,78 m.
Das Dach, sowie die Wände der Wetterseite sind überschindelt.Unterhalb enthält die Tafel 22 die Ansicht eines Stalls und Heu-speichers von Haldenstein bei Chur aus dem Jahre 1720, wobeidie Umfangsmauern des Heuraumes von grossen Oeffnungen durch-brochen und diese mit theilweise ausgeschnittenen Brettern geschlossensind. Einzelne Riegelhölzer zum Annageln der Bretter sind mit derMauer verbunden. Die eigenthümliche Stützungsweise der am Giebelvorstehenden Dachfetten, wie sie Fig. 84 vergrössert zeigt und wonachausser den schrägen Bügen unter den Fetten noch horizontale Büge
unter einem Winkel von 45° angebracht sind, findet sich nur imKanton Graubünden, vorzugsweise an einzelnen Häusern, im Prättigau.Hierbei sind die schraubenförmigen Windungen aller jener Büge ab-
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DMS
Fig. 84.
wechselnd roth und weiss bemalt. Bei solch einem Hause mit ge-wöhnlich sechs Fetten geben die sie stützenden brillant gemalten zwölfBüge der Hauptfronte ein heiteres Ansehen.
Am Giebel des Oeconomiegebäudes, Tafel 22, sind über demHeuspeicher zwei breite und niedere Oeffnungen ersichtlich, welchedurch Klappläden von oben herab geschlossen werden können. Durchjede dieser Oeffnungen kann ein auf Holzrollen beweglicher Bretter-verschlag horizontal vom Dachboden aus ins Freie hinaus geschobenwerden, um die darauf gelegten kleinen Kirschen an der Sonne zutrocknen. Als Gegengewicht gegen den nach aussen vorgeschobenenund belasteten Bretterboden dienen schwere Steine im Inneren desDaches und das Vorschieben auf den Rollen geschieht mittelst einereinfachen hölzernen Windevorrichtung.