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2 (1886) Der schweizer Holzstyl : in seinen cantonalen und constructiven Verschiedenheiten vergleichend dargestellt mit Holzbauten Deutschlands. 2(1886).
Entstehung
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Wohnzimmer aus Wolfenschiessen.

( Tafel 23.)

Die gemüthliche, zuweilen reich ausgestattete Einrichtung desländlich schweizerischen Wohnzimmers haben wir versucht auf Tafel 23theilweise darzustellen.

Die Freude an stilistischer Bearbeitung des Holzes erstreckt sichhierbei auf die kleinsten Details aller Hausgeräthe und zeigt uns dengrossentheils jetzt entschwundenen Kunstsinn vergangener Jahrhunderteim glänzendsten Lichte. In dieser Hinsicht zeichnen sich besondersdie reichen Patrizierhäuser durch den harmonischen Schmuck vonWänden, Decken und Meubeln aus und verdienten in einem besonderenWerke der Nachwelt erhalten zu werden.

Im Wechsel von bunten Holzmosaiken und Schnitzereien, vonMalerei und Vergoldung, sowie von reichen Schmiedearbeiten derBeschläge und bunt gemalten Ofenkacheln fesselt jener Schmuckunser Auge.

Dabei erheben die auf der Mitte der Decke oft reich gemalten undvergoldeten Familienwappen der beiden Eheleute den alten Patrizier-stolz und religiöse Sinnsprüche an Decken und Wänden erhalten dieguten alten Sitten.

schiedenfarbigen Holzsorten mosaikartig gezierte Büffet, welches stetsein nischenartiges Gefach zum Abwaschen enthält. Zur Linken, etwasvor der Thürwand vorgeschoben, steht der grosse Kachelofen, welchervon der Küche aus geheizt und sowohl zum Backen des Brodes wiezum Dörren des Obstes benutzt wird. In der Ecke zwischen demOfen und der Wand sind einige hohe Sitz- oder Tritt- Stufen zu einerFallthüre an der Decke angebracht, durch die man zu dem oberenSchlafgemach gelangen kann. Dieser Ofen, wie auch die Füllungender Thüre und das Büffet stammen aus der letzten Hälfte des 17.Jahrhunderts.

Die Fenster haben die damals allgemein übliche Einrichtung zumSeitwärtsschieben eines halben Flügels über den andern.

Zur Linken Tafel 23 ist ein an die Wand aufgeklappter Tischgezeichnet, an dessen Platte zugleich das stützende Fussbrett aufge-klappt ist. Dergleichen Vorrichtungen, wobei auch die Sitzbänke zueiner Tischseite an die Wand aufgeklappt werden können, befindensich häufig auf den Gallerien der Wohnhäuser, wie auch in Haus-fluren oder breiten Hausgängen, wo sie im Sommer als Speisetischebenutzt werden.

Wir haben bereits darauf hingewiesen, wie das Schweizer Block-haus äusserlich gleichsam ein Spiegel seiner inneren architectonischenEintheilung ist und wollen schliesslich diese harmonische Ueberein-stimmung bezüglich der inneren und äusseren Fensterbekleidungennach den Fig. 85 und 86 hervorheben.

1679

Fig. 85.

Das auf Tafel 23 dargestellte Zimmer befindet sich in dem vonRitter Melchior Lussi in Wolfenschiessen, Kanton Unterwalden, imJahre 1586 erbauten Blockhause. Ausser dem auf dem gleichen erstenHolzboden gelegenen und reicher ausgestatteten südlichen Salon diesesHauses liegt jenseits des Hausganges das hier dargestellte kleinereWohnzimmer gegen Osten. Die hier abgebildete Thüre führt nachdem Hausgang, seitwärts rechts steht die Wanduhr und das in ver-

Fig. 86.

Diese Figuren stellen ein Doppelfenster von einem Wohnhause inJenaz( Prättigau) aus dem Jahre 1687 dar, wobei die Profilirungen derFensterbekleidungen in zierlicher Weise durchgeführt sind. Bei einemandern Hause in Jenaz wiederholen sich sogar, wenn auch in ein-facherer Weise die inneren und äusseren Profilirungen und Ver-kröpfungen jener Bekleidungen in denselben Formen.