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2 (1886) Der schweizer Holzstyl : in seinen cantonalen und constructiven Verschiedenheiten vergleichend dargestellt mit Holzbauten Deutschlands. 2(1886).
Entstehung
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verzierten Winkelbändern zusammengehalten. Die Stabilität der Ständerwurde dadurch sowohl, wie auch durch die an den Hausecken undScheidewänden verschiedenen T- und L- Formen ihres Querschnitts von30-45 cm Stärke wesentlich befördert.

Fig. 14.

Bei den meisten Wohnräumenbesteht das Wandgetäfel wie dieDecke nach Fig. 14 aus wechselndstärkeren und schwächeren untersich vernutheten Brettern, so dassWände und Decke eine überein-stimmende Eintheilung zeigen.

Die Ueberschindelung der Wohn-häuser wie auf Tafel 7 kommtnur vereinzelt im Jaunthale vor; imAllgemeinen herrschte früher dieUebermalung des grössten Theilsvom Holzwerke der Giebelfronte,

wobei deren reiche Dekoration zur Geltung kam, da die Friesver-zierungen etwa nur 2mm tief ausgemeisselt wurden.

Die Fenstergestelle sind aussen, für die im Winter einzusetzendenVorfenster, mit einer Falze versehen.

Meist ist am Giebel die Jahreszahl der Erbauung des Hauseseingeschrieben.

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Fehlt dieselbe, sind aber Sinnsprüche in lateinischen Lettern keil-förmig ins Holz eingestemmt, so lässt sich mit Sicherheit schliessen,dass der Bau noch aus dem 17. Jahrhundert stammt, indem die deutscheBibelschrift bei diesen Malereien erst mit dem 18. Jahrhundert aufkam.

Schliesslich müssen wir bezüglich des Stilistischen in der Bearbei-tung des Holzwerks von Seiten der alten Werkleute des Jaunthaleseingestehen, dass die harmonische Uebereinstimmung aller Details, wiewir es im Berner Oberlande gefun-den haben, hier nicht immer erreichtwurde, indem neben einer Ueber-feinerung eine gewisse Rohheit derForm auftritt, wie z. B. bei demunteren Ausläufer eines Fettenträ-gers von der alten Sägemühle bei derKaskade in Jaun. Fig. 15.

Demohngeachtet sind die Jaunerstolz darauf, dass ihre Vorfahren ,, austile Bernois" gebaut haben, währendsie, wie uns scheint, sich mit mehrRecht als die Erfinder einer sonstwohl in der Schweiz nicht vorkom-menden Dekorationsweise rühmendürfen, was wir bei Tafel 5 nähererläutern wollen.

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Fig. 15.

Wohnhäuser von Charmey und Weibolsried Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibolsried.

Tafel 5.

Auf dieser Tafel ist rechts die Hälfte eines Doppelwohnhauses

in Charmey, in der Mitte ein Haus von Weibolsried Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibolsried und links imHintergrunde die Kirche von Charmey dargestellt.

Wenn wir von dem hochgelegenen bernischen Dorfe Ablentschenthalabwärts in den Kanton Freiberg schreiten, so kommen wir überWeibolsried Glossar ::: zum Glossareintrag Weibolsried nach dem höchst malerischen Dorfe Jaun( Bellgarde), woder Hauptarm der Jaun aus der Gebirgswand hervorstürzend einensehr schönen Wasserfall bildet. Weiter abwärts, dem Thale entlang,wo sich die Landschaft erweitert, liegt das anmuthige PfarrdorfCharmey, wo die französische Sprache vorherrscht und wo sich unterandern ähnlichen Bauten das erwähnte Doppelwohnhaus Tafel 5 nichtweit von der Kirche befindet. Dieses besonders reich ausgestatteteHaus trägt am Giebel die Jahreszahl 1716 und auf den gebranntenKacheln des Ofens im Wohnzimmer steht:

,, Jaques et Pierre Mossu 1715".

Nach dem Grundriss der einen von den beiden, auch in derFaçade, ganz gleichen Hälften, Fig. 16, welche je einer Familie an-gehören, führt die Hausthüre durch einen Gang und der darin befind-lichen Treppe zu der oberen zentral angelegten Küche auf den erstenhier dargestellten Wohnboden.

Das in Bruchsteinen gemauerte Erdgeschoss dient als Keller, sowie als Stallung für Ziegen, welche in dortiger Gegend zahlreichgehalten werden. Von der Laube an der Rückseite führt eine Treppein den hinter dem Hause liegenden Garten. Der obere Stock hat imwesentlichen dieselbe Eintheilung, nur dass an die Stelle der Kücheder ganz unbenutzbare Raum des grossen aus Bohlen konstruirtenSchornsteins tritt und eine schmale Treppe daneben auf den Dach-boden führt. Das Mansardedach, aus zwei liegenden Stühlen über-einander construirt, hat ausser den beiden Giebelbindern noch zweimit den inneren Querwänden korrespondirende Binder, mit drei Lehr-gespärren zwischen je zweien derselben.

Durch einen besonderen Fahrweg auf der Traufseite zur Rechtendes Hauses gelangt man in den seitlich hinten angebauten Heuspeicher,dessen Boden mit dem des ersten Wohnbodens korrespondirt unddessen Dachsparren aus den verlängerten obersten Sparren des Haupt-daches bestehen.

Die Dekoration derbreiten Gurtungen zwi-schen den Fensterreihenzeigt die Verbindung derBerner Art und Weise,das Ornament aus demBalken auszuschneidenmit einem sonst wohlausser dem Jaunthale

selten vorkommendenVerfahren. Es sind näm-lich künstlich ausge-schnittene Brettstückeauf die glatte Bohlen-wand aufgenagelt, wiehier auf der unterenBrüstung der Bogenfries,auf der oberen andereperiodisch wiederkeh-rende Formen zu erken-nen sind.

Selbst die kleinen Kon-solen über dem Dielen-träger des zweiten Holz-bodens, wie auch dieJahreszahl und die An-fangsbuchstaben der Na-men von den beidenBauherren bestehen ausaufgenagelten Holzstück-chen. Die Nutzanwen-dung dieser so billig her-zustellenden Dekorations-weise springt in dieAugen.

Das Profil der dieGallerie stützenden Höl-

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Fig. 16.

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