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2 (1886) Der schweizer Holzstyl : in seinen cantonalen und constructiven Verschiedenheiten vergleichend dargestellt mit Holzbauten Deutschlands. 2(1886).
Entstehung
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Speicher und Stallbauten in Kippel und Chiamutt.

( Tafel 19.)

Nachdem wir die Wohnhäuser im Oberwallis und vom Grau-bündner Alpenthal des Vorderrheins beschrieben haben, fassen wir aufTafel 19 die Speicher- und Stall- Bauten derselben Gegenden ins Augeund vorerst wieder:

Die Speicherbauten im Oberwallis.

Der obere Theil der Tafel 19 enthält in der Mitte einen dergrössten Kornspeicher mit Stallung aus Kippel vom Jahre 1658,dessen Grundriss bei a, nebst dem Detail eines der drei vorderenLaubenpfosten bei b gezeichnet ist.

Zur Rechten und Linken dieses Speichers ist die vordere undhintere Giebelfronte eines kleineren Kornspeichers von Kippel mitdem Kuhstall darunter aus dem Jahre 1698 als ein Beispiel der dortgewöhnlichen Kornspeicher, nebst seinem Grundriss bei c dargestellt.

Diese Walliser Kornspeicher stehen auf sogenannten Beinen ausmeist hartem Holze, welches 30 cm stark, vierkantig behauen und alsabgestumpfte Pyramide von 60-70 cm Höhe nach oben verjüngt ist.Diese Beine stehen in Entfernungen von circa 3 m auf starkenMauerschwellen, an den Mauerecken direct unter den Knotenpunktender Blockwände und tragen runde Steinplatten von 10-20 cm Stärkeund 0,9 bis 1 m Durchmesser, um die Nagethiere von dem daraufruhenden Blockbau abzuhalten.

In den Grundrissen a, c sind diese Platten wie auch die Stall-mauern und die in c vorgeschobene obere Giebelwand einpunktirt.

Fig. 73 zeigt zur Linken einen Kornspeicher, und zur Rechteneinen Heuspeicher aus dem oberen Rhonethal. Ersterer widerstehttrotz seiner thurmartigen Gestalt bereits über hundert Jahre denheftigen Stürmen dortiger Gegend, indem das mit Steinplatten be-deckte Dach seine Stabilität befördert. Zugleich ersieht man beiFig. 73 die Einfassungsweise der Saumpfade im Oberwallis, einerseitslängs der Bergabhänge mit einer Mauer gegen den Berg, andrer-seits durch Steinpfosten und durchgesteckte Baumstangen gegen dasThal geschützt.

Fig. 73.

In Fig. 74 sind zwei mit Stallung verbundene Heuspeicher vonKippel gezeichnet. Der kleinere bei a von 6 m Giebellänge reprä-sentirt die dort meist vorkommenden Blockbauten der Art, sowohlin Kippel als auch auf den höher gelegenen Alpen, der grössere bei ceinen von zwei Haushaltungen benutzten Speicher in Kippel aus demJahre 1791.

Die genannten Korn- und Heuspeicher unterscheiden sich äusser-lich nur dadurch, dass bei Letzteren die Beine der Ersteren fehlen

und sind gewöhnlich am Bergabhange so gestellt, dass der eine Giebelmit dem Eingang in die untere Stallung gegen die Thalseite, derandere mit dem Fundament der Blockwand gegen die Bergseite ge-richtet ist.

CL.

Meter

Fig. 74.

Sie sind aus vierkantig beschlagenem Lärchenholz mit dicht-schliessenden Fugen konstruirt, ihre Wanddicke beträgt 15-18 cm,die Höhe der Wandschwellen oft 36-50 cm.

Die langen Blockbalken ihrer Umfangswände sind in der Mitteihrer Länge knotenförmig, mittelst beiderseits vorgestellte keilartigeund durch einzelne Querhölzer gesteckte Zangen, gebunden.

Mitunter sind diese doppelten Zangen nach Fig. 74 b, durcheinen starken Pfosten ersetzt, welcher im Giebeldreieck zum Einsatzder schiefen Wandhölzer ausgenuthet ist, darunter aber den freienDurchpass der Wandbalken gestattet.

Die 1,5 m breite Tenne im Inneren der Kornspeicher geht voneinem Giebel bis zum andern. Deren 12-15 cm starken, meist ver-nutheten Bodendielen reichen 30 cm weit aussen vor die Thüre alsRuheplatz beim Betreten auf einer kurzen Leiter. Beide Seiten derTenne sind mit meterhohen Holzwänden von Bohlen und Brustriegelngarnirt. Der Boden zu beiden Seiten der Tenne ist mit 12 cm starkenDielen belegt.

Bei vielen Stallungen in Kippel führt ein kurzer Gang zwischenzwei gemauerten und eingezäunten Dunggruben von der Strasse auszur Stallthüre. Zuweilen sind auch diese gemauerten Gruben mitBohlen belegt und ohne Einzäunung.

Die Speicherbauten im Vorderrheinthal.Geht man von Andermatt aus die Alpenstrasse in vielen Win-dungen aufwärts über den hohen, die Kantone Uri und Graubündenscheidenden Gebirgspass in das Alpenthal des Vorderrheins, so begegnetman vorerst im Lande Uri, welches hier nur kahle Felsen und Wiesen-gründe zeigt, vielen Heuspeichern die nach Fig. 75 aus Stein erbautund deren Umfangsmauern nebst der First mit grossen Steinplatten,dazwischen aber die Sparren mit Schindeln bedeckt sind.

In Fig. 75 ist der niedere Giebel mit der Oeffnung zum Ein-trag des Heuesersichtlich.