Haus am Obersteg zu Bettelried.
( Tafel 3.)
Der im Bernischen Obersimmenthal nahe bei Zweisimmen gelegeneOrt Bettelried enthält an der gegen Lenk ziehenden Landstrasse dasauf Tafel 3 dargestellte Haus.*) Dasselbe hat ohne die meterbreitenLauben eine Breite von 11,4 m und eine Tiefe von 15 m und enthältunter einem Dach die Wohnräume, an welche sich die Stallungen fürKühe und Pferde anschliessen. Ueber Letzteren befindet sich eingrosser Heuraum, in den eine bedeckte Brücke als Fahrweg von demhöher gelegenen hinteren Terrain führt, wie es die punktirten Linienim Grundriss Fig. 10 andeuten.
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10 Meter1: 200
BRÜCKE
Fig. 10.
einer der Gallerien zugänglich. Im oberen Geschoss wird der Raumüber der Küche grösstentheils durch den aus Bohlen construirten, weitenpyramidalischen Rauchfang in Anspruch genommen, wie die punktirtenLinien des Grundrisses andeuten. Derselbe hat über Dach eine meter-weite, mit beweglichem Holzdeckel versehene Oeffnung, die der Kücheals Oberlicht dient, beim Regen aber durch einen von der Küche biszum Deckel reichenden Strick beliebig geschlossen werden kann. JenerHolzdeckel ist meistens überschindelt, wie auch die Bohlen des Rauch-fangs über Dach, an seinem unteren Ende ein schwerer Stein angehängt,dessen Gewicht ihn allemal wieder aufrichtet, sobald der an dem oberenEnde befestigte Strick unten nachgelassen wird. Die Decken derWohnzimmer beider Wohnböden bestehen aus unter sich und ringsumin die hierzu besonders verstärkten Blockbalken vernutheten starkenBohlen, allemal für jedes Zimmer mit einer aussen vorstehenden Keil-diele, wie es auf Tafel 3 angegeben ist. Nur in den grossen Giebel-zimmern unten und oben liegt ein Unterzug unter den Deckendielen,Fig. 11, der zugleich nach aussen beiderseits verlängert, als Stützeder Laubendielen dient.
PFERDESTALL
GANG.
KUHSTALL
ESS- ZIMMER
KÜCHE
HAUSGANG.
WOHN ZIMMER
WOHN ZIMMER
UNTERZUG u THÜRPFOST
Fig. 11.
Vor dem Hause, bis zur Landstrasse, liegt ein Gemüse- undBlumengarten. Die Inschrift auf der Giebelfronte schreibt diesen Baudem Landseckelmeister Peter Grünewald im Jahr 1746 zu. Auf denunteren Wohnboden in Ständerbau folgt oberhalb und bei den Stallungender Blockbau.
Das ganze Holzhaus steht auf einem als Keller benutzten hohensteinernen Unterbau. Die Kellerräume sind mit starken, weitliegendenBalken bedeckt. Zwei Seitentreppen unter dem Schutz der Seitenlaubenführen zu den beiden Hausthüren und zu den beiderseitigen schmalenHausgängen, gerade in die geräumige, central gelegene Küche. Ander Giebelfronte liegen zwei nahezu quadratische, gleich grosse Wohn-zimmer, welche durch zwei grosse Kachelöfen von der Küche ausgeheizt werden. Seitwärts der Küche liegt einerseits ein Esszimmer,andrerseits eine Milchkammer und eine schmale Treppe zum oberenStock, welcher die den unteren Zimmern entsprechenden Schlafzimmer,einen Käsespeicher und ein Gesindezimmer mit der Treppe zum Dach-raum enthält. Wie immer liegt der Abort ausser dem Hause, von
*) Das Werk von Graffenried und Stürler, Architecture suisse, enthält einekleine perspectivische Ansicht desselben Hauses.
In der Ecke des Küchenheerdes befindet sich eine Bruchstein-mauer im unteren Wohnboden, und die Ofenfeuerungen der beidenWohnzimmer und des Esszimmers geben ihren Rauch in das grosseBohlenkamin, in welches gewöhnlich Querhölzer eingesetzt sind, umdas Fleisch zum Räuchern daran zu hängen. Die Räume des oberenStocks werden nur mittelbar von unten aus etwas erwärmt.
Aus dem Höhenschnitt der Giebelfaçade Tafel 3 ist ersichtlich,wie die stützenden Hölzer der drei obersten Dachpfetten nach Innennur so weit vortreten, dass sie deren Ausladungen das Gleichgewichthalten, sowie ferner: dass zwei Gespärré, dicht vor und hinter derGiebelwand, deren oberste Blockbalken fest zusammen halten.
Die linke Giebelecke an der Hauptfronte, Fig. 12, zeigt diereichen Schnitzereien der Blockbalken, welche wesentlich auf spätereUebermalung berechnet wurden, indem die Ornamente theilweise nureinige Millimeter vor dem Blattgrunde vortreten, so wenig, dass sieohne Bemalung nur bei scharfer Beleuchtung zu erkennen sind.
Ausserdem trug die Bemalung des grössten Theils des Holzwerkeszur Erhaltung desselben bei, indem wir die bemalten Stellen um einenMillimeter vor den nicht bemalten und mit der Zeit ausgewitter ten