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2 (1886) Der schweizer Holzstyl : in seinen cantonalen und constructiven Verschiedenheiten vergleichend dargestellt mit Holzbauten Deutschlands. 2(1886).
Entstehung
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gelassen und von ungewöhnlicher Stärke. An deren Profilen undstützenden, im Inneren des Daches zum Theil kurz abgeschnittenenBalken, erkennt man am deutlichsten die Verbindung des urkantonalenProfils, Fig. 68 b, mit dem in Graubünden allgemeinen, Fig. 68 c;oder die Vermischung der beiden thalab- und aufwärts sich begeg-nenden Stile von Uri und Graubünden, wie überhaupt bei den Bautenim Vorderrheinthale.

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1,89 m hoch und deren Fenster nur durch die geringere Höhe von78 cm von den unteren verschieden. Alle Fenster erhalten durch diezurückgesetzte äussere Bekleidung die nöthigen Falzen für den Ein-satz der Winterfenster.

Fig. 69.

Bezüglich der Höhenmaasse dieses Hauses fügen wir noch bei,dass die erste Etage im Lichten 2,12 m Höhe hat; deren Fenstersind 72 cm breit und 80 cm hoch, aussen mit profilirten Brettern be-kleidet; deren Zwischenpfosten 6,6 cm breit. Die zweite Etage ist

Fig. 70.

In Fig. 69 ist ein Haus von dem benachbarten, tiefer am Vorder-rhein gelegenen Orte Surein aus dem Jahre 1826 von 12 m Front-länge abgebildet. An dieser Giebelfronte ist im ersten Stock eineGallerie, zum Schutz der unteren Steintreppe zur Hausthüre, wie beinoch mehreren andern Häusern am Vorderrhein vorgebaut. Der langeBrustriegel derselben ist durch zwei mit der Giebelwand verbundenePfosten versteift. Die Laubenbretter, welche hierbei nicht ausge-schnitten sind, erscheinen bei anderen Häusern am Vorderrhein häufigin der Weise wie bei Fig. 70 von der Mitte aus nach rechts und linkssymmetrisch ausgeschnitten.

Häuser und Kirche in Sumvix.

( Tafel 18.)

Auf Tafel 18 ist die Häusergruppe zur Rechten aus einem anderenStandpunkte der Hauptstrasse durch das Pfarrdorf Sumvix aufgenommen,als diejenige zur Linken mit der Kirche. In der Mitte dieser Tafel

a.

1814.

präsentirt sich ein altes, ganz von Steinerbautes Patrizierhaus, welches am Giebelzwei eingemauerte Tafeln enthält, einemit der Jahreszahl 1570 und latei-nischer Inschrift, die andre mit demFamilienwappen des damaligen Be-sitzers. Seitwärts ist ein geharnischterKrieger an die Wand gemalt.

An dieses Haus schliesst sich nochein schmales, von Stein, und hieran einBlockhaus aus dem Jahre 1824, dessenFettenköpfe thierähnlich gebildet undgrell bemalt sind. Dergleichen Fetten-köpfe zeigt Fig. 71 bei a von einemanderen Hause in Sumvix aus demJahre 1814, bei b von einem Hause inTruns aus dem Jahre 1792. Die weit geöffneten roth eingefasstenMäuler dieser Köpfe fassen mit ihren weissen Zähnen zuweilen eineNuss zum knacken, andere strecken die rothe Zunge weit hervor.

2792.

Fig. 71.

Im Allgemeinen haben die Blockwände im Vorderrheinthal keineVorsprünge bei den so häufig wiederkehrenden Gesimsen von kleinenKonsolen in der Höhe der Fensterbänke und Stürze. Die Konsol-reihen dieser Gesimse sind hier und da mit vorstehenden Rundstäbchenbedeckt, grösstentheils aber nach Fig. 72 in die glatte Blockwand

Fig. 72.

vertieft eingemeisselt. Dabei sind die Konsolchen hellgrün auf rothemGrund bemalt, oder auch roth mit hellgrünen Seitenansichten undVertiefungen. Die Bemalung musste den Mangel der tieferen Schattenersetzen und die ruhige Horizontallinie durch fünf- bis sechsfacheWiederholung der gleichen Gesimse bei den grösseren Giebelfaçaden,zur gehörigen Wirkung bringen.