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2 (1886) Der schweizer Holzstyl : in seinen cantonalen und constructiven Verschiedenheiten vergleichend dargestellt mit Holzbauten Deutschlands. 2(1886).
Entstehung
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Fig. 12.

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Theilen vorstehend fanden. In Fig. 12 sind noch seitwärts der Giebel-ecke die Profile der einzelnen vorstehenden Blockbalken von der mitt-leren Scheidewand gezeichnet. Von der ehemaligen Malerei der Giebel-fronte sind nur wenige Spuren erhalten, welche jedoch erkennen lassen,dass die mit schwarzen Schriften bezeichneten horizontalen Bänderweiss gemalt waren, dass die Untersichten des Daches zwischen denSparren, die Seitenansichten der Pfettenträger, sowie die breiterenFensterpfeiler aufs mannigfaltigste mit Ranken, Blättern und rosetten-artigen Blumen bunt, und dass ferner die Gurtgesimse mit dem Würfel-fries oder den kleinen Consolen, sowie die horizontalen Blattbändervorzugsweise mit den drei Farben weiss, roth und grün bemalt waren.Die drei zierlich durchbrochenen Consolen, welche in die Ständerder Giebelfronte mit schwalbenschwanzförmigen Nuthzapfen senkrechteingeschoben wurden, sind von Tannenholz und bronzegrün bemalt,wie in dem Werke von Graffenried und Stürler an andern Häusernrichtig dargestellt ist, aber veranlasste, dass Professor Semper in seinemWerke über den Stil diese für Metallconsolen gehalten hat.*)

*) 2. Band, Seite 314, Anmerkung 3.

Speicherbau und Wohnhaus zu Sachseln.

( Tafel 4.)

Der im Vordergrund auf dieser Tafel dargestellte Speicherbauzur Aufbewahrung von Käse und Früchten steht in dem eine halbeStunde von Sarnen gelegenen Pfarrdorfe Sachseln, dem Wallfahrtsortvon Nicolaus von der Flüe. Wir erkennen bei diesem Bau sowohlwie bei dem ferneren Wohnhause die Eigenart der Kantone Unter-und Obwalden an der Art und Weise, wie die mehrfach aufeinander-liegenden Blockbalken am Dachvorsprung des Giebels von 75 cm, alsstützende Träger von 60 cm Vorsprung, in senkrechter Flucht mitden äussersten Giebelsparren stumpf abgeschnitten sind und dann inabgerundeter Form sich an die Vorstösse der Wandbalken anschliessen.Weil dieser Dachvorsprung gewöhnlich mit den schwersten Steinenbelastet wird, so liegen hier drei Gespärre dicht nebeneinander.

Die Verstärkung einzelner Blockbalken, welche zunächst dieDachsparren und anderer, welche die eingenutheten Dielen der Fuss-böden tragen, findet hierbei abweichend von der Bauart anderer Kan-tone nicht statt, indem sämmtliche Blockhölzer um nahezu einen Centi-meter stärker wie sonst sind.

Der obere Stock steht auf dem Dielenträger am Giebel um12,6 cm vor dem unteren vor.

Die lichte Breite des Giebels zwischen den Blockwänden beträgt3,8 m, die lichte Tiefe 3,7 m. Die mittlere Thüre am Giebel mit27 cm breiten Pfosten ist im Lichten 87 cm breit und 186 cm hoch.Die Laube geht auf beiden Seiten und am hinteren Giebel um dieBlockwände in einer lichten Breite von 0,9 m zwischen Wand undPfosten. Deren Brüstungshöhe beträgt 1 m. Die beiden Giebelfenstersind mit aufgenagelten Holzleisten so breit umrahmt, dass in derenNuthen zwei Läden seitwärts über die Fenster geschoben werden können.

Dieser Speicherbau zeichnet sich vor anderen durch seine sym-metrisch schönen Maassverhältnisse aus, welche durch sparsam an-gebrachte Profilirungen und Holzausschnitte zum vollen Ausdruckgelangen.