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Wohnhäuser in Kippel und Heremence.
( Tafel 16.)
Nachdem auf den vorhergehenden Tafeln einige Blockhäuser ausdem Kanton Wallis von beziehungsweiser Verwandtschaft mit der Bau-art des Berner Oberlandes dargestellt wurden, reihen wir an diese aufTafel 16 noch einige andere desselben Kantons aus Kippel und einsaus Heremence, um sowohl die Vergleichung der auf dieser Tafel indemselben Massstabe gezeichneten Häuser zu erleichtern, als auch denallgemeinen Charakter dieser Holzbauten noch mehr hervorzuheben undum insbesondere nachzuweisen, welche stilistische Veränderungen dabeiim Laufe der letzten drei Jahrhunderte vorkamen, indem gerade diegeringen Unterschiede derselben den konservativen Sinn der Bewohnerjener Landschaft beurkunden. Diese Unterschiede beziehen sich haupt-sächlich auf die Structur der vorderen Giebelfronten, indem
C.
1. bei den älteren Häusern aus dem 16. Jahrhundert die Holz-wände in senkrechter Flucht durchgehen, nur unterbrochen vonden vorstehenden Gurtsimsen, ohne die nach späterer Bauartstufenweise am Giebel vorgeschobenen Zonen der Blockbalken;2. die Profile der älteren Gurtsimse nachFig. 54, a. b. die Hohlkehlen wie auchdie schräge Abdachung der Gothik bei-behielten, während die späteren stetsdie karniesförmigen kleinen Konsolenreihenweise überbunden wiederholen;3. die ältere Profilirung der am Giebelvorstehenden Fettenköpfe ohne oder miteinem stützenden vorgeschobenen Balkennach Fig. 54, c in einfachen Ausschnittenbesteht, dagegen später das urkantonaleFettenprofil mit mehreren im Viertelskreis stützenden Balkenadoptirt wurde.
Fig. 54.
Wir belegen diese Angaben vorerst durch Ansicht und Grundrissdes ältesten Hauses in Kippel aus dem Jahre 1543, zur Linken Tafel 16,zu welchem Fig. 54 die genannten Details der Giebelfronte: bei a dieuntere, bei b die obere Fensterbank und bei c das Profil der First-fette zeigen. Im unteren Steinbau dieses Hauses führt der mittlereHausgang zwischen den beiderseitigen Zimmern zu der im Grundrissder ersten Etage Tafel 16 angegebenen steinernen Wendeltreppe undzur hinteren Hausthüre. Vor Letzterer liegt ein kleiner innerer Vor-platz, von dem man sowohl abwärts mit acht Stufen in die Keller-räume, als auch aufwärts mit vier Stufen auf den Boden des Parterregelangt. Weitere zehn Stufen führen zur ersten Etage und darauf
Fig. 55.
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Fig. 56.
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folgen neun in die Küche seitwärts eingebaute Holzstufen zum oberenStock, wo durch eine Mittelwand getrennt, zwei Zimmer über demunteren Saal entstehen. Die Balkenköpfe dieser Wand treten in derAnsicht Tafel 16 abwechselnd vor.
Bei einem anderen zweistöckigen Hause in Kippel aus dem Jahr1558, finden wir ebenso die 6,60 m lange Giebelwand auf steinernemUnterbau in senkrechter Flucht durchgehend und sowohl die Bank-als auch Sturz- Simse der Fenster nach Fig. 55 der Reihe a, b, c, dnach von unten nach oben bezeichnet, in romanischem Sinne, ebensodie Fensterzwischenpfosten von 30 cm Breite und 69 cm Höhe nachFig. 56 dekorirt. Die Fussfette des Daches ist nach Fig. 57 einfachabgeschrägt und der unterste stützende Balken unterschnitten.
Zur Mitte auf Tafel 16, oberhalb, ist die Ansicht eines Hausesvon Kippel aus dem Jahr 1796, gegen die Strasse und seitwärts diehalbe Giebelfronte gegen eine Nebengasse dargestellt. Ausnahms-weise bildet hier eine Traufseite die Hauptfronte und die Hausthürezur ersten Etage mit einer Vortreppe von Stein liegt auf der Giebel-seite. Bei allen drei Stockwerken ist die Einrichtung der mittlerenabwärts drehbaren Klappläden konsequent durchgeführt. Die Köpfeder Dielenträger treten nur bei den zwei unteren Etagen vor dieWand der Traufseite, da die obersten Dielenträger pararallel zu der-selben liegen. Die geringe, nur 2-3 cm betragende Ausladung deraus Konsolchen und Bogenfriesen bestehenden Gurtsimsen unter- undoberhalb der Fenster korrespondirt mit den stufenweise überbautenGurtungen der Traufseite, welche hier als Hauptfronte nicht in senk-rechter Flucht durchgeht.
Fig. 57.
Fig. 58.
Die Vorlauben der Giebelseite in den beiden oberen Etagen undunterm Giebel, wo die Brustwehr fehlt, sind grossentheils mit Bretternzugeschlagen und durch die nach Fig. 58 karniessförmig profilirtenTräger gestützt.
Die Treppen zu den von verschiedenen Familien bewohnten dreiGeschossen liegen unter und innerhalb jener Vorlauben, so dass jedesseine besondere Eingangsthüre auf der Giebelseite hat.
In der Mitte von Tafel 16, unterhalb, ist eins der grössten Häuservon Kippel aus dem Jahre 1665 mit dem Querschnitt der Giebelwanddargestellt. Hierbei ist die zweite Etage an der Traufseite zur Rechtenüber die untere vorgeschoben und auf beiden Seiten das System derLauben mit den Holztreppen zu den Eingangsthüren jedes Stockwerkssehr malerisch ausgebildet.
Die Tiefe der vorderen Giebelzimmer beträgt 5,40 m, diejenigedes Hauses im Ganzen 11,0 m.
Die vordere auf den Kellerbalken ruhende Giebelwand steht46,5 cm vor der unteren Mauerschwelle.