Der Längenschnitt zeigt, dass jedem Gespärre ein Balkenvon 30 cm Stärke entspricht und dass die Dielen des Dachbodens, alssogenannter Schrägboden, zwischen die einzelnen Balken in abwech-selnd schiefen Richtungen eingenuthet, zugleich die Decke des oberenStocks bilden.
Diese ganz moderne Balken- und Boden- Anlage bildet bei diesemHause eine seltne Ausnahme von der damals in der ganzen Schweizüblichen Weise, die Dielen der Böden nicht von Gebälken, sondernunmittelbar von den Wänden tragen zu lassen. Vom unterenWohnzimmer des Pfarrhauses ist der Ofen mit seinen grün gebranntenKacheln und Steinplatten in Fig. 34 abgebildet. Die hier nicht dar-gestellte Verlängerung des Ofens durch die Scheidewànd, erwärmtdas Zimmer daneben, wie schon aus dem Grundriss Fig. 30 her-vorgeht.
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ЕКИ
Fig. 34.
Speicherbauten von Riedstätten und Schwarzenburg.
Tafel 8.
Die Bauart der Wohnhäuser von dem Bernischen Städtchen
Schwarzenburg und Umgegend, wozu Riedstätten gehört, zeigt dasHaus im Hintergrunde der Tafel 8 zur Linken. Auf später fol-genden Tafeln werden wir spezieller darauf eingehen.
Hier schicken wir einen Speicherbau aus Riedstätten, im Vorder-grund Tafel 8 und rechts daneben einen aus Schwarzenburg voraus,um zu zeigen, wie im Kanton Bern der uralte Blockbau bei solchenSpeichern zum grossen Theil noch beibehalten wurde, während die Wohn-gebäude, mit Ausschluss derjenigen des Berner Oberlandes und einigerälterer aus dem 17. Jahrhundert durchweg den Ständerbau annahmen.
So ist der Speicher von Riedstätten aus dem Jahr 1784 ganz imBlockbau, der von Schwarzenburg oberhalb im Block-, unterhalb imStänder- Bau konstruirt.
Solche kleine, oft mit vieler Sorgfalt ausgeführte Gebäude, dientenvielfach zwei Familien nach den Stockwerken getrennt. An ihnendokumentirte der Bauherr seinen Reichthum, seine Freude am Schmuckdes Holzwerks und dessen Bemalung, wie auch seine Frömmigkeitdurch die den Wänden aufgeschriebenen Bitten um den Schutz undSegen des Allmächtigen.
Bei dem Speicher von Riedstätten tritt die obere Blockwand amGiebel um 10 cm vor die untere vor, bei dem von Schwarzenburgstehen die oberen Blockwände ringsum 18cm über die unteren Ständer-wände vor. Bei beiden haben die Dachfetten keine Sparren zutragen, sondern starke unter sich vernuthete Bohlen, welche über-schindelt sind. Die Blockwände des Speichers von Riedstätten sind9 cm dick; dabei zeichnen sich die Profile der unteren Laubenträgerdurch ihren kräftigen Schwung aus. Die rings um den Speichergehende Laube hat 1,12 m Breite.
Die obere Giebellaube steht 30 cm vor den sie stützenden Säulchender unteren Laubenbrüstung, so dass Letztere durch Erstere gegenden Regen geschützt ist. Die Säulchen sind 15 cm, die Dielenträger15-18 cm stark. Die lichte Weite des im Erdgeschoss benutzbarenRaumes zwischen den unteren Blockwänden beträgt am Giebel 4,2 mund an der Traufseite 4,8 m.
Bei dem Speicher von Schwarzenburg beträgt die lichte Weitedes Parterreraumes am Giebel 4 m, an der Traufseite 4,5 m, die Breiteder ringsum gehenden Laube 1,10 m.