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Häuser aus Schwarzenburg.
( Tafel 9.)
In dem Berner Städtchen Schwarzenburg und dessen Umgebunghaben sich viele Wohnhäuser, aus dem 18. und aus dem Anfang diesesJahrhunderts, als Ständerbauten gut erhalten. Die getrennt davonerrichteten kleinen Fruchtspeicher, Stallungen und Heuschuppen sinddagegen grösstentheils im Blockbau konstruirt.
Bei jenen Ständerbauten ist das Rechtwinkeldach mit liegendemStuhl angewandt; den oberen Theil des Frontgiebels ziert eine Laubemit halbkreisförmiger Bretterdecke unter dem Schutz des weiter vor-springenden, mit kleinen Schindeln sorgfältig eingedeckten und an derSpitze abgewalmten Daches.
Gleichzeitig finden wir einzelne solcher Ständerbauten mit flachemsteinbelasteten Dache und mit dem stehenden Stuhl. Wir schliessenaus dortigen älteren Bauten letzterer Art, dass diese Konstruktion vordem 18. Jahrhundert allgemeiner dort üblich war.
Alle diese Holzbauten zeichnen sich durch eine kräftige undschwungvolle Profilirung der Balkenköpfe und Säulchen, wie der Ge-simse und Bretter aus. Auch ist die Anlage von mehreren Gallerienübereinander, an dem Frontgiebel sowohl wie an den Traufseiten vor-zugsweise beliebt gewesen. Hierdurch ist dem Städtchen Schwarzen-burg ein eigenthümlicher Karakter verliehen, wenn man erwägt, dassnoch viele Spuren alter Malereien auf einen früheren jetzt erloschenenGlanz hindeuten. Jene Spuren zeigen am häufigsten die Farbenschwarz, roth und weiss neben dem braunrothen Grundton der natür-lichen Holzfarbe.
Die Ständer der Wandpfosten von 27 bis 40 cm Stärke an denKnotenpunkten der Wände, sind in Rücksicht auf die geringe Höhe( 2,16 m) der Stockwerke sehr sparsam durch kurze und schmaleWinkelbänder gegen seitliche Ausbiegung geschützt.
Bei den Balken- und Brett-Ausschnitten ist die gleichförmigeProfilirung in Halbkreisen und S- Formen unter den mannigfaltigstenKombinationen bemerkenswerth.
Die Tafel 9 zeigt oben zur Linken ein Eckhaus an der Haupt-strasse vom Jahr 1761; bei den drei Giebellauben und den beidenSeitenlauben werden je die unteren von den etwas weiter vorstehendenoberen Lauben geschützt. Zur Rechten, Tafel 9, ist eine alte Schmiedeim Orte Schwarzenburg hierher gesetzt.
Dieselbe Tafel enthält unterhalb den Grundriss der ersten Etagejenes Eckhauses, nebst einem Theil vom Quer- und Längen- Schnittdesselben.
Ausser dem nach der Strasse gelegenen quadratischen Wohn-zimmer enthält dieses Haus in der ersten Etage nur noch einen gleichgrossen Küchenraum, welcher jedoch durch die Treppenanlage unddurch einen Brettverschlag zu einer Vorrathskammer verengt ist.Der steinerne Unterbau dient jetzt als Werkstätte eines Spenglers,welcher das einzige Zimmer der ersten Etage zugleich als Schlafzimmermit seiner Familie benutzt. In der zweiten Etage wiederholt sich dieanaloge Einrichtung für eine zweite Familie.
Das Kamin zu dem Küchenherd und dem Ofen links in der erstenEtage ist unterhalb gemauert und in der zweiten Etage bis über Dachaus Bohlen konstruirt, wo es einen quadratischen Raum von 1,4 mWeite der oberen Küche entzieht. Deshalb mussten in letztererder Küchenherd und der Ofen im Zimmer in die Ecke rechtsverlegt werden. Diese Anlage ist jedoch neueren Ursprungs, weilehemals das ganze Haus unzweifelhaft nur von einer Familie bewohntwurde.