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2 (1886) Der schweizer Holzstyl : in seinen cantonalen und constructiven Verschiedenheiten vergleichend dargestellt mit Holzbauten Deutschlands. 2(1886).
Entstehung
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Haus in Grüsch.

( Tafel 12.)

An das vorhergehende, im Anfang dieses Jahrhunderts in Jenazerbaute Haus, schliessen wir auf Tafel 12 ein älteres Haus von Grüschaus dem Jahr 1685, welches den Blockhausbau der letzten beidenJahrhunderte im Prättigau ebenso in vierkantig beschlagenen Balkenveranschaulicht, wie das Haus Fig. 41 aus demselben Orte in rundemWandholz. Auf dem gemauerten Untergeschoss erheben sich diebeiden Etagen in Holz, von denen die untere als eigentlicher Wohn-boden, die obere zu Schlaf- und Vorrathsräumen dient. Wie bei derallgemeinen schweizerischen Grundrissanlage führt die seitliche Treppeunter dem Schutz des weitausladenden Daches zur Hausthüre und zudem schmalen Hausgang zwischen der hinteren gemauerten Küche undden beiden vorderen in Holz construirten Wohnzimmern. Die Kücheenthält einen geräumigen Rauchfang zu der gemauerten Rauchröhre.

Im Berner Oberland fallen die stärksten dieser Wandvorsprüngein die Höhe der Fensterdeckhölzer oder unmittelbar darüber in dieder Dielenträger, im Prättigau dagegen stets in die Höhe der Fenster-bänke, welche um 6--9 cm nach aussen verstärkt, die um dasselbeMaass vorstehende obere Wand tragen. An den Traufseiten wieder-holt sich oft der gleiche Vorsprung, aber nur bei den unteren Fenster-bänken, von wo aus diese Wände in senkrechter Flucht bis unter dasDach reichen. Demgemäss nehmen auch die Profile der Vorstössean den Hausecken und Scheidewänden, wie in Fig. F Tafel 12 zuersehen, ihren Antheil an diesen Wandvorsprüngen. In dieser Figurhaben wir das Profil der unteren Fensterbank von einem andernHause aus derselben Zeit entnommen.

Einen ganz analogen Wandvorsprung zeigen einige der ältestenBlockhäuser der nahen Kantone Uri und St. Gallen, wie auch dieselbeArt und Weise der Unterstützung der unteren Fensterbänke mittelstkleiner in die Wand mit Schwalbenschwanzzapfen eingesetzter Kon-solen, deren Längenfasern in senkrechter Richtung dem Druck vonoben widerstehen. Während aber dort diese Konsolen nur vereinzeltund zufällig vorkommen, so erscheinen sie an vielen Häusern imPrättigau systematisch unter der Bank bei jedem Fensterpfosten desersten Wohnbodens. Als Beispiel führen wir in Fig. 42 ein ein-faches Fenster aus Schiers vom Jahr 1762 hier an.

Fig. 41.

4 5 6

10

Decimeter.

Fig. 42.

DM

Das Haus Tafel 12 hat mit Einschluss der Wandstärken von13,5 cm eine Giebellänge von 9,8 m, die Seitenlaube eine Breite von0,7 m und das nahezu quadratische Wohnzimmer misst am Giebel5,4 m bei einer Tiefe von 5,1 m im Lichten. Die Blockbalken stossen15 cm vor die Wände. Die Dielen der Fussböden liegen einfachüberfalzt in den um 3 cm verstärkten oder erhöhten Wandbalken.

An der Giebelfronte finden mehrfache Ueberkragungen der oberenWandtheile vor den unteren statt. Dieses Vorschieben bezweckteeinestheils die ruhige Horizontallinie durch tiefere Schatten, andern-theils durch die damit verbundene Ausschmückung mit Konsolchen,Oculis und Wasserlaub mehr hervorzuheben.

Ein geringerer Vorsprung findet sodann bei den Dielenträgernüber den Giebelfenstern wie auch im obersten Giebeldreieck statt, nieaber an den Traufseiten. In den Fig. A, B, C, D Tafel 12 habenwir der Reihe nach, von unten nach oben, die verschiedenen Gesimseder Giebelfronte desselben Hauses mit den zum Theil noch erhaltenenFarben je in anderer Schraffur dargestellt, so dass die hierbei vor-kommenden drei Farben, schwarz, roth und weiss durch abgestufteTöne, wie auch die natürliche braunrothe Farbe der Rothtanne durcheingezeichnete Holzadern leicht zu erkennen sind. Eine Ausnahmehiervon bildet nur der hellere Ton in Fig. C, welcher grün statt rothvorstellen soll. In dieser Figur ist das Schriftband richtig und zwei-zeilig angegeben, in der Ansicht des Hauses aber nur eine Zeileeingeschrieben.