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2 (1886) Der schweizer Holzstyl : in seinen cantonalen und constructiven Verschiedenheiten vergleichend dargestellt mit Holzbauten Deutschlands. 2(1886).
Entstehung
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einer Mauer vergleichbar, die Wände unter sich verspannen und derenStabilität sichern.

Zur Rechten vom Schulhause Fig. 47 ist die Lehrerswohnung undder dazu gehörige Kornspeicher gezeichnet. Die Blockwände der ausbeschlagenem Bauholze konstruirten Walliser Kornspeicher sind zum

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Schutz gegen Nagethiere von grossen, runden Steinplatten unterlegtund diese von starken Holzpfosten, sogenannten Beinen, auf den Stall-mauern getragen.

Die Ortsstrasse zwischen dem Schulhause und der Lehrerswohnungführt zu der tiefer unten an der Lonza gelegenen Mahl- und Sägemühle.

Haus in Kippel.

( Tafel 13.)

Das von Kippel auf Tafel 13 dargestellte Wohnhaus für zweiFamilien zeigt unter der Giebelspitze die Jahreszahl 1776, an derDecke des zweiten Wohnbodens das Jahr 1777 und auf einem Dielen-träger daselbst das Jahr 1774.

Damit stimmt die Tradition überein, wonach das Haus in seinemBau unterbrochen worden sei. Indessen haben dieselben Zimmer-meister aus der Familie Murman von Kippel das Haus in jenenJahren errichtet, da allen Ornamenten der gleiche eigenthümlicheCharakter entspricht. Dieser Charakter, welcher sich sowohl bei denverschiedenen Inschriften nach dem Muster von Fig. 52 als auch beiallen Profilirungen, Ranken, Blättern und Blumenornamenten kundgiebt, ist hier schon, vom nahen Italien beeinflusst, mehr dem Stilder Renaissance verwandt.

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3 Decimeter.

Fig. 52.

Es ist unstreitig das am reichsten verzierte Haus des ganzenLötschenthales.

Sein äusserer Schmuck harmonirt nur insofern mit dem derHäuser des Berner Oberlandes, als die horizontalen breiten Gurtungenzwischen den Fensterreihen aus mehreren aufeinander folgenden deko-rirten und gemalten Zonen bestehen, unter welchen sich die aufweissem Grund mit schwarzen Lettern in das Holz eingerissene Schrift-zonen am meisten geltend machen.*)

Auf der Giebelfronte sind die verschiedenen Inschriften richtigangegeben, nur die griechischen Worte auf dem Schriftband über denoberen Fenstern sind mit der Zeit unkenntlich geworden. Ueber denunteren Fenstern rechts sieht man einige Schriftzeichen eingravirt,welche wahrscheinlich nur dem Glauben dienten, dass durch diese

*) Der Sinn für feinere Holzarbeiten ist heute noch im Dorfe Kippel lebendig:dieses beweist der Schreiner Rieder daselbst, welcher nur dort sein Handwerkerlernte und nie seinen Heimathsort verliess, um eine Gewerbeschule zu besuchen.Derselbe hat verschiedene Secretäre mit eingelegten Holzmosaiken von hellen unddunklen Holzgattungen, sowie mit zierlichen Reliefornamenten seiner eigenenPhantasie, in neuerer Zeit angefertigt und zum Theil schon gut verkauft.

schützenden Zeichen Unglück vom Hause abgehalten würde. Auchhaben dieselben wirklich bereits über hundert Jahre ihre Kraftbewährt.

Alle Ornamente waren früher in den Farben weiss, roth, schwarzund grün bemalt. Ebenso die Untersichten der Sparren nach eTafel 13 und die Felder zwischen denselben, wovon sich noch eineaufgemalte Klosterkirche sowie verschiedene kleine Thiergestalten er-halten haben.

Die Köpfe der Dielenträger von 18 auf 30 cm Stärke treten nachdem Profil d Tafel 13 vor die Blockwand.

Die Profile der 1,05 m ausladenden Dachfetten a, b, c Tafel 13zeigen eine originelle Verbindung der urkantonalen Formen mit denendes Berner Oberlandes. f Tafel 13 stellt das Ornament im Giebel-dreieck vor, g Tafel 13 das Gesimse der zweitoberen Fensterbank undh Tafel 13 die Reliefornamente auf den zweitoberen Fensterpfosten.Der Grundriss vom zweiten Ge-schoss ist in Fig. 53 dargestellt. Der-jenige vom ersten Holzboden unter-scheidet sich von jenem nur durch dieauf der Traufseite zur Rechten zurück-gesetzte Blockwand und durch die anderselben liegende Hausthüre mit dersteinernen Vortreppe.( Siehe Tafel 13.)Letztere führt durch einen Gang hinterder unteren Wohnstube zu der inFig. 53 gezeichneten Treppe auf dasobere Geschoss, von dessen Vorplatz maneinerseits zur Küche, andererseits zueinem Schlafgemach gelangt, dessen imGrundriss eingezeichnete Bettstatt amVorderbrett die nach dem Muster Fig. 52 keilförmig eingestemmtenWorte enthält:

14 15 M..

1: 200

Fig. 53.

Ich Gehn Ins Bett Vielleicht In Tod"

An der Traufseite zur Linken ist in beiden Etagen eine Laubeangebracht, welche die Aborte enthalten.

Bezüglich der Höhenmaasse des zweiten Holzbodens fügen wirnoch bei, dass die lichte Höhe des Wohnzimmers 2,13 m, die innereFensterbrüstungshöhe 1,17 m, die Höhe der Fenster 0,78 m, derenWeite im Lichten 0,54 m und die Breite der Zwischenpfosten 0,27 mbeträgt.

Die Decke des Wohnzimmers der zweiten Etage, welche durchzwei Dielenträger in drei grosse Felder getheilt wird, enthält mehrereeingestemmte Inschriften und Ornamente, die früher wohl auch bemaltwaren. Wir führen diese theils in lateinischen Lettern, theils in zier-licher Bibelschrift nach dem Muster Fig. 52 eingestemmten Schriftenzur Charakteristik der damaligen Zeit hier an: