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Stofflichkeit in der Kultur : Referate der 26. Österreichischen Volkskundetagung vom 10.-13. November 2010 in Eisenstadt
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Erkundungen am Beispiel des Zirbenholzbettes.Materielle Kultur und Europäische Ethnologie

Ana Rogojanu

Die aktuelle Beschäftigung mit Dingen in der Europäischen Ethnologie zeichnet sich,wie bereits im Tagungsthema Stofflichkeit in der Kultur" anklingt, unter anderemdurch eine intensivierte Aufmerksamkeit für deren Materialität aus. Neben der sinn-lichen Dimension der Stofflichkeit der Dinge, die dabei in den Blick gerät, gilt die Auf-merksamkeit aber auch den Bedeutungsdimensionen, die gerade die Materialität derDinge eröffnet. Die Bedeutung und der Symbolcharakter der Dinge werden also nichtlosgelöst von ihrer Materialität, sondern eng mit dieser verwoben gedacht.'Das Interesse der Europäischen Ethnologie an materieller Kultur gilt jedoch nicht nurden sinnlichen und symbolischen Dimensionen der Dinge in ihren Wechselwirkun-gen, sondern auch den weiteren kulturellen Verflechtungen dieser und vor allem denHandlungskontexten, in denen diese eine Rolle spielen. Damit werden Dinge zu einemwichtigen Schlüssel für das Verständnis kultureller Prozesse, und zwar in zweifacherHinsicht: Einerseits werden sie als Indikatoren kultureller Prozesse verstanden, alsAusdruck gesellschaftlicher Verhältnisse..geraten die Dinge zum Instrument der Kul-turanalyse. Andererseits aber werden die Dinge als Katalysatoren kultureller Pro-zesse gedacht: Dinge sind[...] mitsamt ihren Bedeutungen eine Realität des kulturel-len Lebens. Dinge gestalten unsere Kultur." 3

Kennzeichnend für den Zugang der Europäischen Ethnologie zur Erforschung dermateriellen Kultur ist, dass sie konsequent von den Dingen aus[ geht]" 4, also dasObjekt ins Zentrum der Analyse stellt. Diesem Ansatz folgend, will ich in meinemBeitrag anhand des gesunden Zirbenholzbettes, dessen Entstehung, Popularisierungund Konsum ich untersucht habe, Überlegungen zu Möglichkeiten der Dinganalyse inder Europäischen Ethnologie entwickeln.

Die Basis dafür bildet Datenmaterial aus der Forschung für meine Anfang 2009 abge-

1 Vgl. dazu die Forderungen in Stefan Beck: Die Bedeutung der Materialität der Alltagsdinge. An-merkungen zu den Chancen einer wissenschaftstheoretisch informierten Integration von Symbol-und Sachforschung. In: Rolf Wilhelm Brednich( Hg.): Symbole. Zur Bedeutung der Zeichen in derKultur. Münster u. a. 1997, 175-185, hier: 185.

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Gudrun M. König: Auf dem Rücken der Dinge. Materielle Kultur und Kulturwissenschaft. In: KasparMaase u. Bernd Jürgen Warneken( Hg.): Unterwelten der Kultur. Themen und Theorien der volks-kundlichen Kulturwissenschaft. Köln u. a. 2003, 95-118, hier: 96.

Hermann Heidrich: Dinge verstehen. Materielle Kultur aus Sicht der Europäischen Ethnologie. In:Zeitschrift für Volkskunde, Jg. 103, 2007, Heft 2, 223-236, hier: 226.

4 Andrea Hauser: Sachkultur oder materielle Kultur? Resümee und Ausblick. In: Gudrun M. König( Hg.): Alltagsdinge. Erkundungen der materiellen Kultur(= Studien und Materialien des Ludwig- Uh-land- Instituts der Universität Tübingen; 27). Tübingen 2005, 139-150, hier: 147.

5 Vgl. Gudrun M. König: Wie sich die Disziplin denkt: Europäische Ethnologie zwischen Kulturanalyseund Sachkulturforschung. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Jg. LXII/ 112, 2009, Heft 3,305-319, hier: 316.

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