Kulturen des Selbermachens in Transition.Flicken zum Beispiel
Nikola Langreiter
Ausgehend von einem aktuell beobachtbaren erneuten Trend zum Do it Yourself geheich der Frage nach, warum Menschen in verschiedenen Kontexten selbst Dinge pro-duzieren und wie sie dies jeweils in ihren Bedeutungshaushalt einbauen. Ich stelle ei-nen Teil dieses größeren Projektes vor, in dem ich mich mit der Präsenz von und demUmgang mit Handarbeit befasse: in klassischen Bereichen wie dem sogenannten.weiblichen Handarbeiten und dem- traditionell eher männlich konnotierten- Sel-bermachen/ Basteln in Haus und Garten, in künstlerisch- politischen Projekten und insozialökonomischen/ sozialpädagogischen Einrichtungen.*
Neben ersten vorliegenden Analysen zum neuen Do it Yourself,' werden Mode- undKonsumforschung aus den feministischen Cultural Studies mir Basis und Reibungsflä-che bieten, ebenso wie die jüngere Sach- und die Arbeitskulturforschung der Europäi-schen Ethnologien und verwandter Fächer. Im Zentrum steht für mich aber die Empirie.Besonders interessiert mich an der aktuellen Do it Yourself- Welle deren Ambivalenz:Selbermachen lässt sich in die Nähe wirtschaftsliberal geforderter Lebens- und Ar-beitskonzepte rücken Entrepreneurship, Eigenverantwortung/ auch im Sinn vonSelbsttherapie. Zugleich kann es als Ausdruck von Widerständigkeit interpretiert wer-den: als Konsumverweigerung, als individueller Beitrag zu nachhaltigem Handeln, alsgesellschaftspolitisches Statement, als Teil einer selbstbestimmteren, freieren Le-bensführung.2
Dieser Beitrag wurde 2010 verfasst und für diese Publikation nicht anktualisiert.
1 Stella Minahan u. Julie Wolfram Cox: Stitch'n Bitch. Cyberfeminism, a Third Place and the NewMateriality. In: Journal of Material Culture, Jg. 12, 2007, H. 1, 5-21; Stephanie Müller: Putting theF- Word on the Fashion- Map. Wenn Mode radikal wird. In: Sonja Eismann( Hg.): Hot Topic. Popfemi-nismus heute. Mainz 2007, 164-183; Verena Kuni„ Not Your Granny's Craft"? Neue Maschen, alteMuster Ästhetiken und Politiken von Nadelarbeit zwischen Neokonservativismus,„ New Craftism"und Kunst. In: Jennifer John u. Sigrid Schade( Hg.): Grenzgänge zwischen den Künsten. Interven-tionen in Gattungshierarchien und Geschlechter- Konstruktionen. Bielefeld 2008, 169-191; FaytheLevine u. Cortney Heimerl: Handmade Nation. The Rise of DIY, Art, Craft, and Design. New York/NY 2008. Und selbstverständlich die z. T. schon älteren- Arbeiten zum Thema aus dem Bereichder Europäischen Ethnologien wie z. B. Gottfried Korff( Hg.): Flick- Werk. Reparieren und Umnutzenin der Alltagskultur. Begleitheft zur Ausstellung im Württembergischen Landesmuseum Stuttgartvom 15.10.- 15.12.1983. Stuttgart 1983; Ronald Hitzler u. Anne Honer: Reparatur und Repräsentation.Zur Inszenierung des Alltags durch Do- It- Yourself. In: Hans- Georg Soeffner( Hg.): Kultur und Alltag( Soziale Welt, Sonderbd. 6). Göttingen 1988, 267-283; Gerard Rooijakkers: What Makes a Man a Man:Do- it- Yourself. In: Villa Rana. Jyväskylän yliopisto laitas, Jg. 3, 2000, 3-14, oder Sylvia Greiner: Kul-turphänomen Stricken. Das Handstricken im sozialkritischen Kontext. Remshalden- Grunbach 2002.2 Vgl. dazu etwa Ratgeberliteratur, die nicht Anleitung zu konkreten Techniken bietet, sondernallgemein in das Selbermachen einführt bzw. in die Vermarktung von Selbstgemachtem und inSelbstmanagement. Unter vielen Titeln nur z. B. Meg Mateo Ilasco: Craft INC. Turn Your CreativeHobby Into a Business. San Francisco 2007; Sandra McCall: The Savvy Crafter's Guide to Success.
157