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Stofflichkeit in der Kultur : Referate der 26. Österreichischen Volkskundetagung vom 10.-13. November 2010 in Eisenstadt
Entstehung
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musort. Sie, handarbeitet schon immer'- früher aus Notwendigkeit; so bekam sie alsKind in den Handarbeitsunterricht die Flickwäsche der ganzen Familie mit; sie strickteund nähte später für ihre Kinder und sich selbst, weil das billiger kam, als Kleidungzu kaufen; und sie verlängerte um zu sparen durch Anstückeln, Doppeln, Wenden undReparieren die Lebensdauer von Textilien. Heute häkelt, knüpft, stickt und strickt sie-nur zu ihrem persönlichen Vergnügen. Die von ihr hergestellten Produkte finden kaumje Abnehmerinnen und Abnehmer; sie produziert für karitative Zwecke und manchmalauch für den Müllkübel.

Die zweite Gesprächspartnerin, Inge Zündel, Mutter von vier erwachsenen Söhnen,wohnt in einer mittelgroßen Vorarlberger Stadt. Sie schildert sich als leidenschaftlicheHausfrau, die sich in Haus und Garten Raum für sich geschaffen hat, der nach ihrenWünschen und Vorstellungen funktioniert. Sie stellt unter Anleitung einer KünstlerinKeramik her, webt, strickt und filzt, kann Wolle spinnen und macht aus Alteisen, Steinenund Schwemmholz Engel. Für sämtliche Produktionen erhält sie sehr viel Anerkennung,wird immer wieder gebeten, ihre Fähigkeiten weiterzugeben, hätte stets Käuferinnenund Käufer für ihre Werke. Die selbst- und handgemachten Dinge sind ihr sehr wertvoll.Sie könne die Sachen nicht verkaufen, sagt sie, denn ein adäquater Preis sei nicht zuverlangen. Vielmehr möchte sie gar nicht, dass Leute, die sich alles leisten können, ihreProdukte erwerben, weil sie diese ja dann gar nicht richtig zu schätzen wüssten.Hanna Ulmer ist Studentin und lebt in Innsbruck. Sie ist in einem Haushalt aufgewach-sen in dem sehr viel selbst gemacht wurde und wird und hat eine Schule besucht, in derHandarbeit ein großer Stellenwert zukam. Sie handarbeitet vor allem, wenn sie ein be-stimmtes Ding braucht und dieses so in den Geschäften nicht aufzutreiben ist( etwa einepassende Hülle für technisches Gerät) und sie produziert Geschenke gerne selbst. Seihandarbeitet in erster Linie anlassbezogen, dennoch kommt sie wiederholt auf das, Ger-ne- tun' zu sprechen und das Motiv. Entspannung taucht mehrfach auf. Im Unterschiedzu den anderen beiden Frauen spricht sie von einem Trend- Handarbeiten sei geradesehr hipp, sie wolle partizipieren. Viele ihrer Freunde und Freundinnen machen Dingeselbst und einschlägigen Aktivitäten und Produkten gilt viel Aufmerksamkeit und Lob.

Materialität wird in allen drei Gesprächen in unterschiedlichen Zusammenhängen the-matisiert: Ich gebe im Folgenden einen Einblick in drei dieser Zusammenhänge- Öko-nomie, Qualität und soziale Positionierung. Dabei beziehe ich mich auf die Interviewsund- mit dem Flicken oder Stopfen auf ein Themenfeld, das alle drei Frauen anspre-chen.

Materialität, Ökonomie und Moral

Als erstes zu Ökonomie und deren moralischen Implikationen: Die Frauen erzählen vonihren Bezugsquellen und Vorlieben, sprechen vom Horten und Lagern; die beiden älte-ren Gesprächspartnerinnen zeigen mir nicht nur ihre Erzeugnisse, sondern auch ihreVorräte an Rohmaterialien, führen mich dazu quer durch Wohnung und Haus, öffnenSchränke und Laden, Säcke und Schachteln. Eine der beiden hat sich IT- Kenntnisseangeeignet, um eigenständig Wolle und Seide über das Internet einkaufen zu können;die andere Frau fährt siebzig Kilometer, um in das Handarbeitsgeschäft ihrer Wahl zugelangen; die dritte stöbert gerne auf Floh- und in Second- Hand- Märkten.

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