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Stofflichkeit in der Kultur : Referate der 26. Österreichischen Volkskundetagung vom 10.-13. November 2010 in Eisenstadt
Entstehung
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oder erbeuteten- Stücke an. Ihm ging es um mehr als um eine prägende mentaleoder sakral stimulierte Beziehung zwischen Ding und Mensch oder um den Prozessdes Erinnerns oder gar um das Nachspüren von individueller Bedeutung, die Dingedirekt in sich tragen können. Schließlich stand ihm der Untergang des Abendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendlandesvor Augen, dem er durch die Rettung der Volksseele" mittels einer angewandten,also die Menschen des 20. Jahrhunderts anleitenden Volkskunde begegnen wollte,die sich rückwärts an einer ständischen Ordnung der vergangenen Jahrhunderte ori-entierte und davon bergen wollte, was es noch zu bergen gab. Damit war er zwarweit näher an der Alltäglichkeit der Dinge als die Verfechter einer magischen, reli-giösen oder sonstwie übernatürlichen Deutungsebene der Dinge. Doch gegen sei-nen Pathos einer vergifteten Welt und seinen Rettungsgedanken des Bäuerlichenals kulturtragende Säule der Gesellschaft, ganz im Sinne Wilhelm Heinrich Riehls,muss die persönlich biographische oder kollektive alltagshistorische Phänomene in-dizierende und vielleicht gar standesunabhängige, weil individuelle Bedeutung einesHaarkammes, eines Spielzeugs, eines Seidentuchs oder einer Tabakspfeife wahrhaftlächerlich erscheinen.

Daher beherbergen die Depots des Grazer Volkskundemuseums, wie so viele zeit-gleich entstandene Sammlungen, eine große Zahl an Objekten mit Behinderung: siesind stumm. Denn im Eifer des großen Windmühlengefechts um die Volksseele wurdegerade noch verzeichnet, ob ein Gegenstand durch Kauf, als Geschenk oder im Wegeder Amtsübergabe ins Museum kam, wir wissen auch zumeist den Namen der Ver-käufer oder Übergeber und genießen umfangreiche Beschreibungen dessen, was wirohnehin sehen, wenn wir die Dinge aus ihren Laden oder Fächern nehmen. Doch wermit ihnen umgegangen ist, wie lange sie ihre Dienste taten und welche Bedeutungdie Stücke als allgemein verständliche Muster oder im Leben ihrer Besitzer hatten,das alles berichten uns die Inventare nur in beglückenden Ausnahmefällen. Für dieEssenz dessen, was abendländische Glossar ::: zum Glossareintrag  abendländische Kultur denn nun eigentlich ausmacht, verwei-gern solcherart musealisierte Objekte in aller Regel ihre Zeugenschaft. Andererseitsfindet man selten eine so leicht verständliche Handreichung zur Funktionsweise vonIdeologie.

Wie wir wissen, ist das Abendland Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendland nicht untergegangen- es hat sich nur gewaltig ver-ändert. Und nun lagern die Zeugen des mentalen Bollwerks gegen dieses monumen-tale Szenario nach ihrer kühlen Transformation"( James Clifford) zu Museumsobjek-ten in unseren Depots und kämpfen gemeinsam mit den Betreuern des Museums alsVerbündete gegen ihre wahren Feinde: Holzwürmer, Schimmel, Motten, hohe Luft-feuchtigkeit oder schwankende Temperaturen( um nur die Speerspitze der Alliiertenzur Unterstützung des materiellen Verfalls zu nennen). Industrialisierung, Proletari-sierung, Sozialismus oder Säkularisierung hingegen, also all das, was die Patriarchender frühen Volkskunde gefürchtet und bekämpft haben, all diese Angstterritorien ha-ben die kleinen Dinge des historischen Alltagslebens längst für sich selbst zu ins-trumentalisieren gewusst in Form von sentimentalen Erinnerungsgesten, Volkskul-turevents oder Heimatbeschwörungen quer über alle weltanschaulichen Grenzen

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Vgl. Michael J. Greger u. Johann Verhovsek: Viktor Geramb. Leben und Werk. Wien 2007, 82.